10 Fragen an einen Mitarbeiter der Dresden Information in Zeiten von Corona

Wohl kaum eine Frage ist momentan so präsent wie die, ob wir im Sommer halbwegs normal verreisen, touristische Angebote nutzen können oder endlich wieder ein Treffen im Restaurant möglich sein wird. Also haben wir uns gedacht, setzen wir unsere Reihe „10 Fragen an…“ in dem touristischen Bereich fort.
Wir sind sehr dankbar, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, Sven Ruschau, dem Leiter der Dresden Information an der Frauenkirche und am Hauptbahnhof, Fragen zum Verlauf des letzten Jahres sowie Ausblick in die kommende Saison zu stellen. Da die Dresden Information GmbH die offizielle Tourismuszentrale der Stadt ist, haben die Mitarbeitenden einen sehr umfangreichen Einblick in das touristische Geschehen in Dresden. Wir sind gespannt auf die Erfahrungen während der Pandemie sowie auf die Einstellung zur anstehenden Zeit:

1. Die Dresden Information ist die offizielle Tourismuszentrale der Stadt Dresden. Können Sie kurz beschreiben, welches Angebot Sie haben? Warum kommen TouristInnen zu Ihnen?

Unser Angebot richtet sich an alle BesucherInnen Dresdens und natürlich auch an alle DresdnerInnen selbst. Neben typisch touristischen Leistungen, wie Erlebnisangebote (Stadtrundgänge, Stadtrundfahrten, Ausflüge ins Umland) und Dresden Welcome Cards, bieten wir unseren Gästen eine große Auswahl an regionalen Souvenirs sowie tolle saisonabhängige Angebote. Hierunter fallen beispielsweise die Aktion „Urlaub in der Stadt“ oder der immer beliebter werdende „Striezel-Taler“ zur Weihnachtszeit. Um regionale Partner zu unterstützen bieten wir außerdem den Dresden Gutschein an, der in vielen Geschäften und für viele Dienstleistungen einlösbar ist.
Wir haben festgestellt, dass viele unserer Gäste persönlich, neutral, serviceorientiert und bedarfsgerecht beraten werden möchten. Der Bedarf an persönlichen Empfehlungen steigt momentan enorm, da das Internet ein Überangebot an Informationen bereithält. Anstatt sich durch diesen „Dschungel“ zu kämpfen, kommen die Besuchenden immer öfter zu uns. Sie erwarten von uns allgemeine Informationen, Insidertipps und öfters auch das passende Souvenir aus Dresden. Neben der Beratung, verkaufen wir unseren Gästen Tickets aller Art und geben dazu die passenden und aktuellen Informationen.

Die Dresden Information befindet sich in der QF-Passage auf dem Neumarkt.

2. Täglich begegnen Sie und Ihre Mitarbeitenden viele Besuchende der Stadt. Können Sie sich erinnern, wann Sie 2020 erstmals den Rückgang der TouristInnen merkten? Welche Konsequenzen hatte das für die Dresden Information?

Aufgrund des behördlich verordneten Lockdowns, spürten wir einen massiven Rückgang der Besucherzahlen seit Anfang März 2020, bevor wir Mitte März unsere Filialen wegen des Lockdowns schließen mussten. Mitte Mai durften wir dann schließlich wieder öffnen. Die Besucherzahlen stiegen dann ziemlich schnell wieder an. Jedoch konnten wir bis Oktober unser Niveau der Vorjahre nicht erreichen.
Ende Oktober gingen dann die Besucherzahlen wieder massiv zurück. Im Dezember mussten wir wieder schließen.
Für unsere KollegInnen war die Situation von großem Aufwand begleitet, um die Hygienekonzepte nicht nur an den Standorten, sondern auch während der verschiedenen Touren umzusetzen.
Außerdem begleitet uns das Thema Kurzarbeit seit Mitte März 2020.

3. Welche Schutzmaßnahmen führten Sie ein als die Pandemie in Deutschland ankam bzw. welche wurden im Sommer, nach dem ersten Lockdown, wieder aufgegriffen?

Um der geltenden Hygieneschutzverordnung gerecht zu werden und unsere Gäste und Mitarbeitenden bestmöglich zu schützen, haben wir zahlreiche Schutzmaßnahmen ergriffen.
So wurden zum Beispiel unsere Stadtrundgänge nur in Kleinstgruppen und mit einem modernen Führungssystem durchgeführt, welches den Teilnehmenden ermöglichte, Abstand zu halten.
In unseren Standorten gab es eine Maskenpflicht für unsere Gäste und MitarbeiterInnen, bestimmte Bereiche im Standort wurden mehrfach am Tag desinfiziert und eine Obergrenze für unsere BesucherInnen wurde eingeführt. Neben diesen Maßnahmen gab es noch einige andere… Wir waren stets darauf bedacht, den bestmöglichen Schutz für alle zu gewährleisten. Die Schutzmaßnahmen blieben bis zum zweiten Lockdown ohne Einschränkungen aktiv.

Auch im Tourismus gelten strenge Hygienemaßnahmen.

4. Spürten Sie Unmut der Reisenden? Wie reagierten Sie auf enttäuschte Gäste, welche sich mit eingeschränktem Kultur- und Freizeitangebot arrangieren mussten? Oder gab es eine allgemeine Akzeptanz diesbezüglich?

Unsere Gäste hatten für diese Maßnahmen absolutes Verständnis. Ich war ehrlich gesagt etwas überrascht wie diszipliniert sie sich an die Hygienekonzepte gehalten haben.
Hin und wieder (aber sehr selten) gab es Gäste, die es trotz Maskenpflicht ablehnten, einen Mundschutz zu tragen. Leider mussten wir dann diese Gäste bitten, im Interesse der anderen, unser Geschäft zu verlassen.
Auch für die eingeschränkten Angebote hatten unsere Gäste glücklicherweise sehr großes Verständnis. Dass jemand wütend oder sauer wurde, habe ich nicht erlebt. Von Enttäuschungen und Trauer mal abzusehen- denn die waren natürlich teilweise präsent.  Viele unserer Gäste versprachen wieder zu kommen und die Angebote zu nutzen, wenn die Situation es zulässt.

5. Was denken Sie, wird sich das Kunst- und Kulturangebot nachhaltig ändern? Ahnen Sie Angebote, die nicht mehr zurückkehren werden?

Also meiner Meinung nach werden sehr gute Kunst- und Kulturangebote jede Krise überstehen. Es ist ein wenig wie mit den Pyramiden in Ägypten- egal welche Krise es gegeben hat, die Menschen kehren zurück und möchten sich inspirieren lassen.
Ich bin sicher, dass die Gesellschaft bestrebt ist,  die gegenwärtige Krise zügig hinter sich zu lassen und auf das „Vorkrisenniveau“ zu gehen. Angebote, die vor der Krise nachgefragt wurden, werden nach der Krise ebenfalls nachgefragt werden. Ob der Anbieter des Angebotes noch derselbe ist, hängt dann von verschiedenen Faktoren ab.

6. Wie sieht es mit der Gastronomie und Hotellerie aus? Haben Sie einen Einblick, ob viele wegfallen werden? Was ist Ihre Meinung dazu?

Auch die Gastronomie und die Hotellerie werden zurückkehren. Hier stellt sich ebenfalls die Frage, ob es bei einigen Leistungen einen Anbieterwechsel geben wird. Fakt ist, dass Essen, Trinken, Übernachtung und das allgemeine Reisebedürfnis ein Grundbedürfnis unserer Gesellschaft ist.

Ein Beisammensein, welches alle sehnlichst erwarten.

7. Sicherlich hoffen auch Sie auf ein schnelles Ende des momentanen Lockdowns. Werden Sie anschließend wie gewohnt für ihre Gäste da sein können oder erwarten Sie einige Änderungen im eigenen Betrieb?

Sobald wir öffnen dürfen, werden wir für unsere BesucherInnen da sein. Einige Hygienekonzepte werden wir sicherlich auch nach dem Pandemiegeschehen weiterführen. Ich denke dabei zum Beispiel an die Plexiglasscheiben zwischen Gast und ServicemitarbeiterIn. Wir haben seit Einführung der Hygienekonzepte einen sehr niedrigen Krankenstand bei unseren KollegInnen. Ich führe das zum großen Teil auf das Hygienekonzept zurück.
Während der Zeit des Lockdowns haben wir einige kreative Tourismuskonzepte entwickelt und freuen uns schon darauf diese unseren BesucherInnen anzubieten.

8. Sie kennen sich ja umfangreich in Dresden aus. Können Sie Unternehmungen in Dresden empfehlen, die trotz des Lockdowns und der Schutzmaßnahmen lohnenswert sind? Ein Geheimtipp vielleicht? 😉

Ich persönlich bin gerade mit meinem vierjährigen Sohn viel mit dem Fahrrad unterwegs und zeige ihm Dresden und Umgebung.
Wir radeln viel am Elberadweg, durch den großen Garten und durch die Dresdner Heide. Wir versuchen dabei größere Ansammlungen von Menschen zu vermeiden.

Rad fahren an der Elbe.

9. Wir alle sind keine HellseherInnen, dennoch frage ich Sie nach Ihrer Meinung: Blicken Sie auf einen kommenden Sommer mit vielfältigem Tourismus, wie es ja dann letztendlich auch 2020 möglich war? Oder bereitet Ihnen der Blick in die nahe Zukunft Bauchschmerzen?

Ich bin mir sicher, dass wir spätestens im Sommer reisen und übernachten dürfen. Wir werden dann eine hohe Nachfrage an touristischen Angeboten erleben.

10. Und nun noch eine persönliche Frage zum Schluss: Was gefällt Ihnen an Dresden besonders gut und was ist Ihr Lieblingsplatz? Hat sich dieser seit Beginn von Corona verändert?

Ich lebe nun schon seit 2013 in Dresden. Von Anfang an bin ich fasziniert von den zahlreichen Freizeitmöglichkeiten, der hohen Kulturdichte, der reichen Geschichte und der Natur in den Parks in Dresden und Umgebung. Im Laufe der Zeit sind mir die DresdnerInnen durch ihre Freundlichkeit und Offenheit sehr ans Herz gewachsen. Persönlich bin ich gerne in der Heide unterwegs, liebe Spaziergänge direkt an der Elbe, gehe gerne in den Luisenhof und bin sehr an den Ausstellungen im Militärhistorischen Museum interessiert.

Das Militärhistorische Museum in Dresden.

„Ich bin mir sicher, dass wir spätestens im Sommer reisen und übernachten dürfen.“ – Und wir sind uns sicher, dass Sven Ruschau mit dieser Aussage nicht nur uns Hoffnung gibt, sondern vielen LeserInnen damit ein optimistisches Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Vielen lieben Dank für den ausführlichen Einblick in die Arbeit und Einschätzung der Dresden Information GmbH während der Corona-Pandemie. Wir wünschen weiterhin viel Kraft bis zur Eröffnung und freuen uns, zukünftig von den alten und neuen touristischen Angeboten zu berichten. 🙂

Und hier geht es zu unseren anderen Beiträgen der Reine „10 Fragen an…in Zeiten von Corona“:

10 FRAGEN AN EINE APOTHEKERIN IN DRESDEN IN ZEITEN VON CORONA
10 FRAGEN AN ELTERN IM LOCKDOWN
10 FRAGEN AN EINE PAKETZUSTELLERIN IN ZEITEN VON CORONA
10 FRAGEN AN EINEN PFLEGER IN ZEITEN VON CORONA
10 FRAGEN AN EINE PÄDAGOGIN IN ZEITEN VON CORONA

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