LIME-Scooter machen Dresden unsicher – die neuen Elektroroller

Seit einiger Zeit sieht man in Dresden an jeder Straßenecke mindestens 3 der limettengrünen Elektroroller stehen, während die Leute blitzschnell mit den kleinen Scootern an einem vorbei rasen. Nur ein Trend oder eine sich durchsetzende Innovation für unsere Stadt? Wir klären auf was es mit den neumodischen Straßenverkehrsmitteln auf sich hat. 

1. Was ist LIME und wo kommt es her?

LIME ist ein amerikanischer Fahrrad- und E-Rollervermieter. Das Unternehmen wurde 2017 gegründet und spezialisiert sich auf die modernen Varianten der mit Elektroantrieb unterstützten City-Fahrräder und Elektroroller.
Zu Beginn wurden die Dienste der grünen Elektrofahrzeuge in 99 Städten der USA angeboten, während die Nachfrage immer weiter anstieg und sich die Ausleihmöglichkeiten nun auch in Kanada, Mexiko, Australien und Neuseeland, Singapur sowie in neun europäischen Ländern verbreiteten.
Seit Frühjahr 2018 gibt es das System auch in einigen Deutschen Städten – Berlin, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Köln, München und Stuttgart. Rund 35.000 Fahrzeuge sind hier wohl in Betrieb. Im Juni 2019 wurden die ersten 1000 E-Roller in Berlin auf die Straßen gebracht, während sie nun in fast allen deutschen Städten zu finden sind.

Hier kommt der Name her.
Hier kommt der Name her.

Der Name lime stammt aus dem englischen und heißt übersetzt „Limette“. Die limettengrüne Farbe der Roller entspricht also der Namensgebung und dem gewählten Firmenlogo einer Limette.

2. Wie funktioniert es genau?

Die Fahrzeuge von LIME E sind stationslos und können überall auf öffentlichen Straßen und Plätzen abgestellt werden, wo sie keine Fußgänger oder andere Verkehrsteilnehmer behindern. Sie sind 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und 365 Tage im Jahr verfügbar, allerdings nur innerhalb des Stadtgebietes nutzbar.

Mit Hilfe der dazugehörigen App „Lime“ können die Tretroller lokalisiert und entsperrt werden. Der angezeigte QR-Code auf dem Roller wird einfach gescannt und schon kann die Fahrt beginnen. Der kleine Display oberhalb des Lenkers zeigt außerdem an zu wie viel Prozent der Roller geladen ist.
Der Elektromotor kann auf bis zu 20 km/h beschleunigen, was allerdings auch von den Straßenverhältnissen oder Steigungen abhängig ist. Über eine kleine Bremse am Lenker kann die Geschwindigkeit verringert werden.

e-scooter_roller_lime
Sie stehen überall.

Wichtig ist, dass man mit den Scootern nicht auf dem Gehweg fahren darf, da Fußgänger sonst gefährdet werden können. Das heißt: Straße oder Radweg! Doch ist das weniger gefährlich? Die Nutzer werden gebeten einen Helm zu tragen, um sich bei Unfällen im Straßenverkehr zu schützen. Mit dem Scooter bist du ein Teil des öffentlichen Straßenverkehrs und musst dich genauso wie alle anderen Verkehrsteilnehmer an die Straßenverkehrsordnung und -regeln halten.
Müll, Plasteteile und Schmutz auf den Straßen, sowie Schlaglöcher, können für die kleinen Roller schnell zu einem großen und gefährlichen Hindernis werden – pass immer gut auf und fahre vorausschauend!

In der App könnt ihr im Anschluss sehen wo es erlaubt ist den Roller wieder abzustellen. Mit einem Klick auf dem Handy wird der Roller dann wieder verriegelt und steht für die nächste Fahrt bereit.

Lime-App
Lime-App

Was kostet mich der Spaß?

Für das entsperren der Scooter zahlt ihr jeweils 1€ und zusätzlich pro Minute 0,20 € oder 0,25 € pro Minute. Die Ausleihe der Fahrzeuge ist auf 24 Stunden begrenzt und irgendwann ist der Akku leer. Doch was dann?

3. So wirst du Entsafter

Die Roller werden 21 Uhr von sogenannten „Juicern“ eingesammelt und in der eigenen Wohnung mit speziellen Ladegeräten aufgeladen. Bis 8 Uhr am nächsten Morgen müssen die Roller wieder in der Stadt verteilt werden, aber auch dazu gibt es bestimmte Regeln. Die „Juicer“ sind keine direkten Mitarbeiter von LIME sondern lediglich ein paar Leute aus der jeweiligen Stadt, die sich einen kleinen Nebenverdienst einholen wollen. Also kannst auch DU Entsafter werden.
Du solltest jedoch beachten, dass du die Stromrechnung für den verbrauchten Strom zahlst; dass du genügend Platz und freie Steckdosen hast und im besten Fall einen Transporter besitzt, mit dem du die Scooter einsammeln und wieder verteilen kannst, denn ein Roller wiegt 16kg. Die Scooter benötigen in etwa 6-7 Stunden bis sie voll geladen sind. An einem Standort dürfen maximal 4 Roller nebeneinander stehen und sie dürfen den Fußgänger und Straßenverkehr nicht einschränken. Mit einem Foto beweist du das.

Könntest du dir vorstellen "Juicer" zu werden?
Könntest du dir vorstellen „Juicer“ zu werden?

Anmelden kannst du dich ganz einfach online mit deinem Personalausweis und einem Gewerbeschein, den du auf dem Amt erhälst. Anschließend bekommst du die Ladegeräte und eine Einweisung in das System. Pro Tag darf man maximal 10 E-Scooter laden. Pro geladenen Roller erhälst du 4€. Aber nur, wenn du ihn vor 8 Uhr ausgeliefert hast und er zu mindestens 95% geladen ist. Auf den Mindestlohn kommst du damit meist nicht.

lime_Scooter_roller
E-Scooter müssen ordnungsgemäß abgestellt werden.

4. Aspekt der Nachhaltigkeit

Die Roller sollen ja besonders nachhaltig und umweltfreundlich sein und das Autofahren ersetzen. Stimmt das wirklich?
Die E-Scooter werden am normalen Hausstrom aufgeladen. Dieser besteht in deutschen Haushalten zu 40% aus erneuerbaren Energien und zu 60% aus Kohle- Erdgas- und Atomkraftwerken.
Die Lime-Scooter sollten einen wichtigen Teil zum Klimaschutz beitragen, indem das Auto oder Motorrad ersetzt wird. Eine Umfrage aus Frankreich ergab allerdings, dass die E-Scooter vor allem umweltfreundliche Fortbewegungsarten, wie laufen, fahrradfahren und öffentliche Verkehrsmittel ersetzen und Autofahrer bisher nicht auf die Roller umgestiegen sind. Also lohnt sich das „umweltfreundliche“ System überhaupt?

Atomkraftwerke werden für die Herstellung der E-Scooter genutzt.
Atomkraftwerke werden für die Herstellung der E-Scooter genutzt.

Zudem halten die Roller, laut einer Untersuchung in den USA, gerade mal 29 Tage, danach sind sie „Elektroschrott“. Die Batterien enthalten Kobalt, Nickel und andere seltene Rohstoffe, deren Gewinnung häufig mit großen Umweltbelastungen verbunden ist. Allein die Herstellung der Akkus ist sehr energieintensiv und gerade im Hauptherstellungsland China stamme ein Großteil dieser Energie noch immer aus Kohlekraftwerken.

Zudem werden Roller teilweise mutwillig kaputt gemacht, landen in Mülltonnen, auf Straßen, in Gebüschen, Flüssen und Seen – so auch in der Elbe. Somit befindet sich nicht nur der Müll in der Elbe sondern auch Gefahrengut der chemischen Stoffe.
Durch das Einsammeln und Verteilen der Roller kommt dann wieder das Auto oder gar ein Transporter zum Einsatz, der die Luft wiederum verschmutzt.

Der Müll in Flüssen und Seen häuft sich.
Der Müll in Flüssen und Seen häuft sich.

Was haltet ihr von den neuen Elektrorollern in unseren Städten? Nachhaltig und umweltfreundlich oder das komplette Gegenteil? Schreibt es uns gern in die Kommentare und lasst uns eure Meinung wissen!

3 comments

  1. Ich empfinde die Roller als eine optische Zumutung. Sie stehen überall herum und ich sehe wirklich niemanden mehr damit fahren, auf meinem Weg zwischen Pillnitz und Neustadt. In der ersten Woche wurden sie noch sehr spärlich genutzt, jetzt nicht mehr. Ich verstehe nicht, wie Dresden diesem Müll- Vermehrungs-Konzept zustimmen konnte, nur um eine amerikanische Firma zu bereichern und damit das schöne Dresden noch mehr zu verschandeln. Ist es nicht schlimm genug, das überall Autos herum stehen? Was muss passieren, das die Roller wieder verschwinden? Ich hoffe die Dresdner bleiben bei ihrer Vorliebe für (Elektro-) Fahrrad, Bus und Straßenbahn. Ich würde mich gerne wieder über Elbwiesen ohne grell Grüne Roller freuen. Danke für den Artikel und die Möglichkeit meine Meinung zu äußern . Thomas

  2. Hi,
    Ich finde die E-Scooter echt gut und eine gelungene Alternative zu den sonstigen Verkehrsmitteln. Leider kann ich seit letzter Woche den Roller nicht mehr in meinem Stadtteil abstellen. Von daher ist es jetzt eher unattraktiv und ich bin am überlegen mir selbst einen zu holen.

    VG Karl

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