Die billigste Stadtrundfahrt überhaupt- die Linie 4

Die Linie 4 ist wohl eine der interessantesten Straßenbahnlinien Dresdens. Sie ist mit 29 Streckenkilometern und circa 80 Minuten Fahrtzeit nicht nur die längste, sondern durch ihren interessanten Verlauf, vorbei an den wichtigsten Sehenswürdigkeiten Dresdens, auch die beeindruckendste überhaupt! Wir haben uns für euch in Bahn gesetzt und den Verlauf dieser Wahnsinnslinie mal genau analysiert: von Weinböhla bis nach Laubegast in nur 80 Minuten!

An der Endhaltestelle in Weinböhla

Faktencheck: Linie 4 als „Kultourlinie“

  • Die Linie 4 verkehrt auf der ehemaligen Linienführung der Lößnitzbahn vom in Nordwesten Dresdens gelegenem Weinböhla durch Coswig und Radebeul bis in den äußersten Osten Dresdens nach Laubegast.
  • Jede dritte Bahn fährt tagsüber auch bis nach Weinböhla.
  • Die Linie 4 ist eine Gute-Nacht-Linie, verkehrt also auch die ganze Nacht hindurch.
  • Sie wird von der DVB auch als „Kultourlinie“ bezeichnet, da auf ihrer Strecke zahlreiche Museen liegen.

Der Verlauf

In Weinböhla steigen wir in die Straßenbahn. Weinböhla ist ein Ort im Nordwesten Dresdens. Aktuell hat Weinböhla rund 10.000 Einwohner. Es wurde erstmal 1349 erwähnt, trug aber damals noch den Namen „Bel“. Als „Weinböhla“ wurde es erst im Jahr 1513 bezeichnet. Der Ursprung liegt in der begünstigten Südhanglage für den Anbau von Wein. Heutzutage ist Weinböhla ein schöner Wohnort für mehr als 10.000 Anwohner. Der Ortskern mit der Martinskirche ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

Anfänglich hat die Straßenbahnstrecke eher den Charakter einer Überlandlinie, wir fahren durch gemütliche Kleingärten und kleine Wäldchen.

Die erste Stadt durch die man gelangt ist Coswig. Coswig zählt mit über 20.000 Einwohnern zu einer Großen Kreisstadt. Zwischen Elbauen, dem Friedewald und dem Spaagebirge ist es besonders reizvoll für Besucher und Anwohner.

Coswig

Ab Radebeul West verwandelt sich die 4 nun doch wieder in eine „Stadtbahn“, es steigen auch prompt mehr Leute ein. Beeindruckend ist hier der Blick nach draußen auf die Weinberge- wirklich wunderschön!

Radebeul ist ein Herzstück der Sächsischen Weinstraße

Auch Radebeul ist mit über 33.000 Einwohnern eine Große Kreisstadt. Sie ist sogar die einwohnerstärkste und dicht besiedeltste Stadt im Landkreis Meissen. Zwischen Weinbergen und Elbe, vereint Radebeul Wein, Kultur und Naturerlebnis. Sie ist ein Herzstück der Sächsischen Weinstraße.

Auf dem Weg weiter in Richtung Innenstadt kommen wir an der Landesbühnen Sachsen vorbei. Auch diese sind auf jeden Fall mal einen Besuch wert! Sie bieten ein vielfältiges Programm. Hier finden Theatervorstellungen, Konzerte und Ballett statt.

Die Landesbühnen in Radebeul

Nicht viel weiter gelangt man an die Endhaltestelle der 13: Mickten. Verrückt, denn wir sind bereits 40 Minuten unterwegs. Die Fahrt geht weiter, vorbei an Altpieschen, von wo man wirklich einen wunderschönen Blick auf die Elbe hat.

Auf dem Weg durch die Leipziger Vorstadt fährt die 4 die Antonstraße/Leipziger Straße an. Diese wurde mit dem Bau des Leipziger Bahnhofs 1838 industriell erschlossen. Der Leipziger Bahnhof war der erste Personenbahnhof Dresdens. Heute ist diese Haltestelle ein Verkehrsknotenpunkt direkt zwischen Neu- und Altstadt. Hier verkehren die Bahnlinien 4, 11, 6, 9, 13.

Blick auf den Neustädter Bahnhof von der Marienbrücke aus.

Als nächstes fährt die Linie 4 direkt über die Marienbrücke, welche eine spektakuläre Aussicht auf die Skyline der Dresdner Altstadt bietet.

Die Altstadt ist von der Marienbrücke aus gut sichtbar.

Man fährt direkt vorbei an der ehemaligen Zigarettenfabrik Yenidze, welche eine architektonische Sehenswürdigkeit ist und heutzutage als Bürogebäude genutzt wird.

Am Zwingerteich kann man einen Blick auf den Dresdner Zwinger werfen. Das darf bei einer Besichtigung Dresdens natürlich nicht fehlen!

Weiter geht es über den Verkehrsknotenpunkt Postplatz. Hier findet in der Nacht immer das „Postplatztreffen“ statt, wo sich die verschiedenen Bahnlinien treffen und die Möglichkeit zum Umsteigen bieten.

Der Postplatz ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

Auch am Altmarkt fährt die 4 vorbei. Von hier sieht man hervorragend noch einmal die Frauenkirche.

Natürlich macht die 4 auch am Pirnaischen Platz halt. Hier verkehren die Linien 12, 2, 1, 8, 7, 3.

Die Wichtigkeit der nächsten Haltestelle „Deutsches Hygienemuseum“ erklärt sich von selbst. Es wurde 1912 eröffnet und im 2. Weltkrieg stark zerstört. Es versteht sich heute als ein öffentliches Forum für Wissenschaft, Kultur und Gesellschaft. Das Hygienemuseum ist immer einen Besuch wert! Neben der Dauerausstellung „Abenteuer Mensch“ kann man bis zum Februar 2021 die Sonderausstellung „Future Food. Essen für die Welt von morgen.“ besuchen.

Am Straßburger Platz fährt die 4 direkt an der Gläsernen Manufaktur vorbei. Diese ist ein Must-Do für Fahrzeugbegeisterte. Hier gibt es Führungen für Klassen und Gruppen. Weitere Information findet ihr hier.

Nun fährt die Linie 4 langsam wieder aus dem Zentrum heraus und weiter in Richtung Striesen. Hier kommt sie am Krankenhaus St.Joseph-Stift und später am Fetscherplatz vorbei.

Weniger als 10 Minuten später fahren wir an den Technischen Sammlungen am Pohlandplatz vorbei. Der Ernemannturm ist kaum zu übersehen.

Der Ernemannturm ist ein Wahrzeichen Striesens.

Nun wird es langsam aber sicher wieder ländlicher. Am Johannisfriedhof vorbei, fährt man weiter nach Laubegast. Auf dieser Strecke hat man einen wundervollen Blick auf die Elbwiesen und sogar auf den Fernsehturm.

Und schon ist man in Laubegast angelangt. Laubegast wurde erstmals im Jahre 1408 erwähnt und hat einen kleinstädtischen Charakter. Bekannt wurde Laubegast vor allem durch seine schwere Betroffenheit während der Hochwasser.

An der Endstation Laubegast, Kronstädter Platz angelangt, geht nun die längste Straßenbahnfahrt meines Lebens zu Ende. Und natürlich kann man Dresden nicht auf alles, was man entlang dieser ewig langen Straßenbahnlinie sehen kann, reduzieren. Trotzdem bin ich ehrlich beeindruckt, wie viel von den wichtigen Sehenswürdigkeiten und Charakterzügen dieser Stadt von einer einzigen Linie abgedeckt werden kann. Man kann diese Straßenbahnlinie auf alle Fälle als eine billige Variante der Stadtrundfahrt betrachten, den auf den ersten Blick ist so alles wichtiges dabei. Wer also ein Tagesticket von der DVB und nichts zu tun hat, kann ja dieses Abenteuer (und wenn nur zum Teil) wagen!

An der Endhaltestelle Laubegast ist die Bahn wieder leer.

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