Von Nord nach Süd: eine Fahrt mit der Linie 3

Während unsere letzte Fahrt vom äußersten Westen nach Osten ging (siehe Artikel: Die billigste Stadtrundfahrt überhaupt- die Linie 4) haben wir uns diesmal auf eine Fahrt vom Norden nach Süden begeben: diesmal mit der Linie 3. Während die Linie 4 nun eine Strecke von 29 Kilometern hinter sich bringt, sind es bei der Linie 3 gerade mal 11,9 km. Auch die Fahrtzeit von 38 Minuten entspricht nicht einmal der Hälfte. Wichtig ist diese Linie für (vor allem das junge Dresden) trotzdem- und wir haben uns für euch wieder in die Bahn gesetzt und den Streckenverlauf der Nord-Süd-Linie genau nachverfolgt!

Also ein bisschen komisch komme ich mir schon vor, wenn ich mich irgendwo in eine Straßenbahn setze und einmal die Runde rum mitfahre. Andererseits bekommt man dadurch auch mal Ecken Dresdens zu sehen, die ich sonst nicht so auf dem Schirm hätte. Auch wenn mir die Linie 3 bereits als „Studentenlinie“ bekannt ist, da sie viele Student*innen täglich aus Plauen oder aus der Neustadt zur Uni transportiert.

Faktencheck: Die Linie 3 als Studentenlinie

  • die Linie 3 verkehrt auf beiden Elbseiten und verbindet den Norden Dresdens mit dem Süden
  • täglich transportiert sie viele Studenten hin und her. Vor allem da sie durch die Studentenviertel Neustadt und Plauen zur Technischen Universität Dresden fährt.
  • gegründet wurde die Linie 3 im Jahr 1949. Damals fuhr sie jedoch noch von Tolkewitz nach Hainsberg. Seit der Linienreform 1969 fährt sie nun bis zum Wilden Mann. Mit der Eröffnung der Trasse Nöthnitzer Strasse verlängerte man die Linie 3 bis nach Coschütz.
  • Die Linie 3 ist eine Gute-Nacht-Linie, also fährt sie auch die Nacht durch. Am nächtlichen Postplatztreffen nimmt sie aufgrund der Linienführung jedoch nicht teil.

Der Verlauf

Unsere Reise beginnt in Coschütz, also im Süden Dresdens. Das ehemalige Dorf wurde namentlich 1284 erstmals erwähnt. Der Name geht auf slawischen Ursprung zurück und bedeutet schlicht „Dorf des Kos“. Bereits in der frühen Bronzezeit wurden erste Siedlungen angelegt und zwischen dem 6./7. Jahrhundert sowie um das Jahr 1100 wurde das Gebiet von den Elbslawen bewohnt. Auf Grund der guten Lößböden wurde das Gebiet um Coschütz landwirtschaftlich benutzt und das Freital-Döhlener-Bergbaugebiet zieht sich bis hierher in den Dresdner Süden.

An der Endhaltestelle Coschütz

Von Coschütz fährt die Linie 4 weiter Richtung Plauen. Plauen ist quasi eines der upcoming Studentenviertel Dresdens. Enstanden ist das ehemalige Dorf am Ausgang des Durchbruchtals der Weißeritz, vor dem 13. Jahrhundert. Namentlich wurde es erstmals erwähnt am 31. März 1206 als Plawen. Der Name entstammt dem altslawischen plawa = schwemmen und bedeutet so viel wie Schwemmland oder Flößort. Die nahegelegene Weißeritz begünstigte die Errichtung von mehreren Mühlen.

Hier lebte früher die geheimnisvolle Gräfin Auguste Charlotte von Kielmannsegge, welche angeblich eine Spionin Napoleons war. Zur Zeit der Industrialisierung erlebte der damals eigenständige Ort mit dem Ausbau der alten Hofmühle zu einer großindustriellen Mühle. Für den Initiator- Gottlieb Traugott Bienert- findet sich in Plauen sogar eine Statue. Neben dem wirtschaftlichen Aufschwung wurden hier nun auch Schule und Kindergartenerrichtet. auch einen sozialen. Mitte des 19. Jahrhunderts erhielt Plauen einen Bahnhof.

Plauen ist ein beliebtes Viertel unter Studenten.

Die Trasse Nöthnitzer Strasse ist nicht nur ein kleiner Verkehrsknotenpunkt in Löbtau, ihr verdankt Coschütz auch seine Straßenbahnanbindung.

Die Haltestelle Nöthnitzer Strasse kann durch die vielen Bahn- und Bussteige manchmal etwas verwirrend sein.

Von Plauen geht es weiter Richtung Nürnberger Platz. Von hier ist die TU Dresden nicht weit. Viele Studenten steigen hier täglich ein und aus.

Auch das Studentenwerk an der Reichenbachstraße ist für die Dresdner Studenten ein wichtiger Anlaufspunkt. Hier können sie beispielsweise ihr BAföG beantragen.

Die Studentenwohnheime unweit von der TU sind von der Haltestelle Reichenbachstrasse gut erreichbar.

Der Hauptbahnhof ist natürlich auch eine wichtige Station der Linie 3. Sie verkehrt auch über die Haltestelle Hauptbahnhof Nord. Hier geht es zu unserem Artikel über den Dresdner Hauptbahnhof.

Der Dresdner Hauptbahnhof

Weiter geht es Richtung Neustadt über den Pirnaischen Platz. Hier verkehren die Linien 12, 2, 1, 8, 7, 3.

Direkt danach hält die 3 an der Synagoge. Diese wurde 2001 an der Stelle errichtet, wo von 1840 bis zu den Novemberpogromen 1938 die Alte Synagoge von Gottfried Semper stand. Die Würfelform orientiert sich an den ersten Tempeln der Israeliten und wurde im Laufe eines Wettbewerbs von einem Saarbrücker Architektenbüro entwickelt.

Die Altstadt ist gut sichtbar von der Carolabrücke aus.

Nach der Synagoge fährt die Linie 3 über die romantische Carolabrücke zum Carolaplatz. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf die Altstadt. Benannt wurde die Carolabrücke nach Carola von Wasa-Holstein-Gottorp (1833–1907), der Gemahlin von König Albert, benannt.

Der Albertplatz ist ein wichtiger Verkehrspunkt in der Neustadt.

Von da geht es weiter zum Albertplatz (benannt nun nach König Albert). Der Albertplatz ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte der Neustadt. Hier fahren neben der Linie 3 noch die 6, 7, 8 und 11. Hier ausgestiegen ist man direkt im Dresdner Szeneviertel.

Bahnhof Neustadt

Die nächste Haltestelle ist der Bahnhof Neustadt. Dieser ist nun besonders wichtig für Pendler und Reisende.

Nun fährt die 3 langsam aber sicher zur Endhaltestelle Wilder Mann. Seitdem ich in Dresden lebe, frage ich mich, woher bitte dieser verrückte Stadtviertelname herkommt. Na, wer weiß es?

Der Name basiert eigentlich auf einer Sage, welche seit dem Ende des 19. Jahrhunderts verbreitet ist. Der Besitzer des ehemaligen Gasthofes „Wilder Mann“ hatte im Gastraum ein Ölgemälde des Kunstmalers Schmiegelow anbringen lassen, auf welchem eine Kampfszene im Walde bei Trachenberge dargestellt wird. Hier wird ein Ritter, von Wegelagerern überfallen, durch „die bärtige Gestalt eines wilden Mannes“ gerettet. Die Sage an sich handelt im Dreißigjährigen Krieg und berichtet von der Befreiung des sächsischen Kurfürsten Johann Georg (1585–1656) aus den Händen kroatischer Söldner durch ebenjenigen bärtigen, „wilden“ Mann. In der Sage heißt es weiterhin:

Da hat denn der Fürst befohlen, zu bauen Gehöft und Haus,
An selbiger Stelle wo ihn der Riese gehauen heraus,
Dem soll es gehören zum Dank für das, was er getan,
Und soll geheißen werden das Haus »Zum wilden Mann«.

Die damalige Eigentümerin des Weinguts an der Döbelner Straße hatte 1773 den Ausschank an die Großenhainer Straße verlegen und einen Gasthof errichten lassen. Dieser wurde 1894 von Gustav Emil Weber durch ein größeres Gebäude ersetzt. Den Namen des Gasthofes »Wilder Mann« hatte man letztendlich um 1900 auf die weitere Umgebung von unserer Straßenbahn-Endhaltestelle der Linie 3 übertragen.

Die Verkehrsschleife am Wilden Mann

Und wieder geht eine Straßenbahnrundfahrt zu Ende. Endlich habe ich jetzt auch mal den Wilden Mann gesehen. Am beeindruckendsten fand ich die Fahrt über die Carolabrücke mit dem Blick auf die Altstadt. Welche Linie sollen wir als nächstes beschreiben? Schreibt es doch gerne in die Kommentare, wir würden uns über ein Feedback freuen!

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