Der Dresdner Stollen

Die Geschichte des Dresdner Stollens

Bis in das 14. Jahrhundert zurück reicht die Tradition des Dresdner Stollens. Scheinbar wurden im Mittelalter nicht nur Drachen gesucht und schöne Fräuleins von Rittern gerettet, sondern auch Süßes genascht. Also nicht die geretteten Fräuleins, sondern das Hefegebäck, was wir heute als Stollen kennen – in verschiedensten Varianten. Und das ist die Geschichte des Dresdner Stollens…

Stollen wurden erstmals im Mittelalter urkundlich erwähnt

Im Mittelalter herrschte vorweihnachtliche Fastenzeit. Der mittelalterliche Mensch verzichtete also nicht nur im Frühjahr auf Köstliches, sondern auch im Advent. Also keine süßen Plätzchen, keine glasierten Pfefferkuchen und von Glühwein wollen wir gar nicht erst anfangen. Vermutlich waren noch nicht einmal in Schokolade getunkte Spieße mit Trauben erlaubt, sollte es diese damals schon gegeben haben. Kein Wunder also, dass viele Überlieferungen von eher schlechter Stimmung im Mittelalter berichten. Wasser, Mehl und Hefe – mehr war nicht erlaubt. Es reichte höchstens für ein etwas geschmackloses Brot. Ein wenig Öl war ok, Butter nicht. Gab daher keine Diskussionen, ob Butter unter das Nudossi aufs Brötchen kommt oder nicht. Auch keine Brötchen und kein Nudossi. Das schränkte die geschmacklichen Optionen noch mehr ein.

Kurfürst Ernst von Sachsen war mit dem kargen Geschmack des weihnachtlichen Gebäcks verständlicherweise unzufrieden und beantragte bei Papst Innozenz VIII, dass er das Verbot der Butter doch wieder aufheben möge. Es bleibt also festzuhalten, dass man sich damals sehr demütig an solche doch etwas seltsam anmutenden Verbote gehalten hat. Der Papst erlaubte die Butter und dadurch kam mehr Geschmack in die Vorläufer unseres Stollens. Sogar Rosinen, Mandeln oder Früchte durften in den Stollen, aber nur, wenn dafür eine Buße gezahlt wird. Noch heute büßen wir, wenn wir zu viel Stollen essen, weil wir dann entweder größere Kleidung kaufen oder viel Sport treiben müssen. Mehl, Butter, Rosinen oder Korinthen, Orangeat oder Zintronat machen heute den Geschmack des Stollens aus.

Butter war früher nicht erlaubt. Und Nudossi?
Butter war früher nicht erlaubt. Und Nudossi?

Royales Gebäck auch auf dem Striezelmarkt

Später wurde den jeweils amtierenden Königen ein Christstollen zu Weihnachten gebacken und um 1500 wurden die Stollen auf dem Dresdner Striezelmarkt verkauft. Ihre Form soll übrigens an ein Kind erinnern, das in Windeln gewickelt wurde. Mit viel Fantasie und wenn man sich Arme und Beine wegdenkt. Eine andere Erklärung wäre die Analogie zum Bergwerksstollen, der auch länglich-rund geformt ist und draußen etwas eingeschneit wird. Wenn es denn schneien würde.

Der im Dresdner Fürstenzug verewigte Kurfürst August der Starke wünschte sich etwas mehr Prunk und Glamour. Abgesehen davon, dass er einige imposante Bauwerke erreichten lies, wie das Schloss Pillnitz, feierte er auch ganz gern. Der damalige Hofbäcker sollte eine Riesenstollen fertigen und hat sich nicht lumpen lassen: ca. 1,8 Tonnen soll das Backwerk dann gewogen haben. Da waren kalorienbedingt nachher wohl einige neue Kleidungsstücke nötig. Im Gedenken an dieses barocke Fest wurde 1991 das Dresdner Stollenfest ins Leben gerufen. Am 6. Dezember 2025 findet das diesjährige Stollenfest in Dresden statt, mit Festumzug ab 11 Uhr und kurz nach 12.00 Uhr wird der Riesenstollen mit einem ziemlich großen Messer angeschnitten.

Die Besonderheiten des Dresdner Stollens

Der Dresdner Stollen weist nochmal eine Besonderheit auf, denn seine Bezeichnung ist als geografische Angabe geschützt. Nur Stollen, der in der Region Dresden gebacken wurde und das nach besonderen Regeln, darf sich auch so nennen. Beziehungsweise darf so genannt werden, denn selbst nennt sich der Stollen ja meistens nicht. Eher selten spricht das Gebäck. Obwohl es sogar den Flüsterstollen geben soll – der hat besonders viele Rosinen, die dann im Teig gewissermaßen miteinander flüstern könnten. Im Dresdner Stollen nicht erlaubt sind künstliche Aromen und Konservierungsstoffe. Jedes Jahr wird zudem geprüft, ob beim Dresdner Christstollen alle Vorgaben eingehalten werden. Falls ja, darf der Stollen mit der geografischen Bezeichnung „Dresdner Stollen“ verkauft werden. Falls nicht: Buße tun.

Nun wisst ihr, wie sich die Geschichte des Dresdner Stollens zugetragen hat. Und wenn er nicht gegessen wurde, dann flüstern seine Rosinen noch heute. Wie sollte denn euer Stollen sein? Mit vielen Rosinen? Mit Marzipan? Viel Puderzucker oder lieber ohne?

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