Auf dem Bild ist der Theaterplatz in Dresden bei Sonnenschein zu sehen. In der Mitte drohnt die prächtige Semperoper Dresdens.

10 Fragen an eine Sängerin der Semperoper Dresden

Am 6. Februar findet wieder der jährliche Semperopernball statt und alle Aufmerksamkeit wird wieder auf Dresden und der berühmten Oper liegen. Aber auch das restliche Jahr lockt die Semperoper viele Zuschauer von nah und fern mit ihrem vielfältigen Programm an Opern, Operetten und Balletten. Doch wie ist es eigentlich, in der Oper auf der Bühne zu stehen? Das und vieles Weitere haben wir Michal Doron, eine Sängerin im Ensemble der Semperoper Dresden, im Interview gefragt. Die israelisch-amerikanische Altistin/Mezzosopranistin ist nach ihrer musikalischen Ausbildung in Tel Aviv im Jahr 2017 an die Semperoper gekommen. Hier übernahm sie seitdem schon viele Rollen, unter anderem als Marcellina in Le nozze di Figaro, als die Hexe in Rusalka oder als Fenena in Nabucco.

Die Sängerin Doron Michal der Semperoper Dresden im Porträt.
Die Sängerin Michal Doron hat sich bereit erklärt uns ein paar Fragen zu sich und ihrem Beruf zu beantworten! Copyright: Ayala Gazit

1. Kannst du dich kurz vorstellen und erzählen, wie du zum Gesang gekommen bist?

Mein Name ist Michal Doron, ich komme aus Israel und bin seit 2017 an der Semperoper Dresden. Als Altistin/Mezzosopranistin war ich erst Mitglied des Jungen Ensembles und bin nun seit der Spielzeit 2019/20 festes Ensemblemitglied hier in Dresden. Als Kind war das Singen eher ein Hobby, was mir schon ganz früh große Freude bereitete. Und auch eine gewisse innere Zufriedenheit gegeben hat. Mit 17 habe ich mich dann entschieden, den Gesang professionell auszuüben. Das ist nämlich schon another story, sich zu entscheiden, freiwillig auf einer Bühne zu stehen und vor Publikum zu singen! Es dauerte ziemlich lange, zu meinem vorhandenen Talent auch die nötige Selbstsicherheit aufzubringen. Früher war ich nämlich eher schüchtern und ein wenig unsicher. Vielleicht sind die Freude an der Arbeit, der Gesang, die Oper und alles, was dazu gehört, ein wenig Therapie für mich…

2. Wie erinnerst du dich an dein erstes Engagement an der Semperoper Dresden?

Ich war wahnsinnig aufgeregt. Es war eine Vorstellung von Mozarts „Die Zauberflöte“ und wir mussten ganz viel auf der Bühne hin und her laufen und zum Teil über den Boden krauchen. Ich hatte nur eine relativ kurze Bühneneinweisung und plötzlich ging alles ganz schnell. Wie ein Sprung ins kalte Wasser! Da wird schon eine große Menge Adrenalin frei.  Aber dass ich das geschafft habe, gab mir nachher unglaublich viel Sicherheit und Selbstvertrauen.

3. Was war dein schönstes Erlebnis an der Semperoper Dresden?

Da gibt es wirklich einige tolle Momente. Einer von denen war, als ich Erda in Wagners „Das Rheingold“ unter Christian Thielemann gesungen habe. Da hatte ich das Gefühl, wirklich ein Teil der großen Historie dieses Opernhauses zu sein. Das war wie ein Traum. Dieses kraftvolle Gefühl, diese Arie so frei auf der Bühne zu singen, unterstützt von unserem reichklanglichen Orchester, der Sächsischen Staatskapelle. Ein sehr emotionales Erlebnis für mich. Sämtliche Vorbereitungen für diese Vorstellung, einschließlich der Proben, wurden sorgfältig und auf einem äußerst hohen Niveau durchgeführt. Dadurch habe ich auch viel gelernt und mich weiterentwickeln können.

Die Semperoper Dresden in der Nacht. Von innen scheint das Licht.
In der Semperoper Dresden könnt ihr Michal Doron live sehen!

4. Was verbindest du mit Dresden und mit der Semperoper?

Dresden ist einfach mein Zuhause. Als ich hierher gekommen bin, habe ich angefangen, über die Dresdner Geschichte zu lesen. Das hat mir sehr geholfen, die Menschen und die Kultur hier besser zu verstehen. Diese Straßen haben in der Geschichte wirklich viel Leid gesehen… Ich freue mich, hier im Heute leben zu dürfen, in dem Dresden und seine Menschen frei sein können.  Und auch die Kultur ist frei. Die Semperoper Dresden steht für das friedliche Zusammenleben und die Möglichkeit des künstlerischen Austauschs und bewahrt gleichzeitig auch Emotionen und Erinnerungen der Vergangenheit. Das finde ich in Dresden sehr besonders.

5. Wie sieht ein ganz normaler Tag im Alltag bei dir aus?

Man sollte nicht glauben, dass Opernsängerinnen und -sänger ein glamouröses Leben führen. Es ist ganz wichtig, dass unser Körper und unsere Stimme unser Handwerkszeug sind! Deswegen versuche ich auch stets, gesund zu leben, gut ausbalanciert und entspannt zu sein. Das heißt, sowohl physisch als auch ganzheitlich emotional und psychisch. Unsere Proben finden morgens und abends statt, normalerweise zwischen zehn und dreizehn sowie achtzehn und einundzwanzig Uhr. Wenn ich nicht in einer Probe bin, mache ich zuhause viele andere Dinge, die für meine berufliche Laufbahn wichtig sind, wie neue Rollen einstudieren, allein üben, neue Engagements planen, bei denen ich außerhalb Dresdens gastiere. Ich spreche mit meinem Agenten, lehre selbst privat andere junge Sängerinnen und Sänger und beantworte Fragen des So lebt Dresden Online-Magazins. 🙂

6. Hast du Rituale, welche du vor jeder Vorführung durchführst?

Ich bin kein großer Fan von Ritualen. Rituale wollen streng eingehalten werden. Wichtiger ist mir eher das Gegenteil, immer nach Flexibilität zu suchen. Vor jeder Probe oder Vorstellung halte ich Sorgen von mir fern, versuche, in mir zu ruhen und achtsam im Hier und Jetzt zu sein. Dann kommt das Einsingen. Ich benutze dafür viel Körperarbeit, Dehnung und Atemübungen. Ich entnehme auch vieles der Feldenkrais-Methode, die ich durch meine Stimmlehrerin kennengelernt habe. Beim Singen brauch ich weniger „Gedanken“ als mehr das „Spüren“.

7. Was machst du, wenn du nicht auf der Bühne stehst?

Lesen, Fernsehen und Filme schauen. Meine Hobbys sind neben Kochen und Backen viel Spaziergehen in der Natur – und natürlich mit Freunden mal ein Bier oder einen Wein trinken.

Auf dem Bild sieht man die Semperoper Dresden. Der Himmel im Hintergrund ist schon leicht orange verfärbt. Die Sonne geht vermutlich bald unter.
Einmal auf der Bühne der Semperoper stehen: Ein Traum für viele Sänger*innen.

8. Was magst du am meisten an deinem Beruf? Und was fällt dir am schwersten?

Das Schönste ist, zusammen Musik zu machen. Wenn ich auf der Bühne stehe und nichts außer innerem Frieden beim Singen fühle, mein Kopf frei von Gedanken ist und Oxytocin durch meinen Körper strömt – das ist das größte Geschenk. Schwieriger ist der Weg dorthin: lange Stunden zu üben, Text und Musik auswendig zu lernen, die Partie dramaturgisch vorzubereiten. Ja, manchmal auch Selbstkritik und Selbstzweifel gegenüber den hohen Standards von Kollegen zu spüren. Dagegen anzukämpfen ist auch Teil meines Berufs.

9. Hast du Lampenfieber? Wenn ja, wie gehst du damit um?

Ich hatte. Vor allem als ich mit zwanzig mein Studium an der Uni angefangen habe. Ich fühlte mich immer sehr beobachtet und beurteilt. Heute habe ich kein Lampenfieber mehr. Ich habe es durch viele Auftritte verloren. Und als meine Gesangstechnik sich mit dem Studium immer mehr verbesserte, kam auch mehr Selbstsicherheit dazu. Das hat mir sehr geholfen. Aber die Aufregung ist natürlich fast immer da, und das ist auch sehr gesund so. Die möchte ich gar nicht missen. 

10. Was ist ein beruflicher oder privater Traum, den du noch erreichen möchtest?

Natürlich gibt es Rollen, an denen ich Interesse hätte, sie zu singen, aber wozu es sich bis jetzt noch nicht ergeben hat. Und es gibt auch eine Reihe von Theatern, an denen ich gerne noch arbeiten würde. Jedoch genieße ich, was das Universum mir bringt. Hauptsache für mich ist, immer in Bewegung zu bleiben, mich weiterzuentwickeln und meine Arbeit interessant und aufregend zu finden. Ich glaube, so werden bestimmt noch viele tolle Gelegenheiten auf mich zukommen!

Zum Schluss hat Michal noch eine Nachricht an alle jungen Sänger*innen mit großen Träumen: „Lernt, Euch selbst zu vertrauen! Was ihr körperlich und emotional verspürt, kann niemand anderes besser wissen als ihr selbst. Es ist so wichtig, eine eigene, klare, sichere und bewusste Stimme in sich zu finden und sich nicht von jedem Kommentar oder jeder Meinung verunsichern zu lassen.“. Vielen Dank Michal für deine Zeit und den Einblick in dein Leben und viel Erfolg weiterhin! In dieser Spielzeit ist Michal Doron in Dialogues des Carmélites, Die Zauberflöte, Das Kind und der Zauberspuk, Parsifal und Roméo et Juliette zu sehen. Tickets zu den nächsten Veranstaltungen der Semperoper findet ihr hier.

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