Es gibt Bauwerke, die sind einfach da. Sie tragen uns, sie verbinden uns, sie stehen still und stoisch im Wind, während wir im Stau stehen. Doch dann gibt es Bauwerke wie die Carolabrücke in Dresden – die ist nun nur noch eine Erinnerung in unserem Kopf. Unterwegs auf den Elbwiesen hört man immer wieder „Lass uns mal Richtung Carolabrücke spazieren“, obwohl sie aktuell gar nicht existiert. Doch ihr Geist lebt weiter und die Pläne für den Neubau nehmen Gestalt an.
Abschied von Beton und Stahl
Die alte Brücke hat sich heldenhaft in ihre Bestandteile zerlegt. Ein Jahr nach ihrem tragischen Zusammenbruch am 11. September 2024 ist fast alles verschwunden, was einst Dresdens Hauptverkehrsader war. Die Abrissbagger haben ganze Arbeit geleistet. Seit Mitte September 2025 rollen die Autos wieder am Terrassenufer. Radfahrende und Spazierende auf der Neustädter Seite müssen sich noch etwas gedulden, bis Mitte Oktober sollen auch ihre Wege wieder frei sein. Die Schifffahrtsrinne der Elbe ist bereits seit August wieder geöffnet. Wer will, kann also eine kleine Fahrt mit dem Dampfer unternehmen und dem Carolabrücken-Geist Hallo sagen.

Ein neuer Körper für den alten Geist – Wann wird die Brücke gebaut?
Die Carolabrücke soll natürlich schnellstmöglich zurück in die Wirklichkeit. Die Stadt Dresden plant, ihr bis 2031 ein neues Leben zu geben. Der Stadtrat hat sich klar entschieden: Die neue Brücke soll vier Fahrspuren haben.
Die Ausschreibung für die Planung läuft seit Anfang September 2025. Vier Planungsbüros werden ihre Entwürfe bis zum nächsten Jahr präsentieren. Ende Mai 2026 soll die Öffentlichkeit in einer Bürgerbeteiligung die Entwürfe diskutieren. Es wird kein direkter Wahlakt sein, sondern eine offene Plattform, um Meinungen und Vorschläge zu sammeln.
Der Zeitplan für den Neubau
- September/Oktober 2025: Einreichung der Entwürfe durch die Planungsbüros.
- Mai 2026: Vorstellung der ausgewählten Entwürfe in einer öffentlichen Diskussion.
- Zweites Quartal 2028: Geplanter Baubeginn.
- 2031: Angestrebte Fertigstellung der neuen Carolabrücke.
Wir brauchen Geduld
Der Bau selbst soll im zweiten Quartal 2028 beginnen. Bis dahin bleibt Zeit für Umleitungen, aber auch für Fantasie: Wie könnte sie aussehen, die Brücke der Zukunft? Schlank und elegant wie die Waldschlösschenbrücke oder eher klassisch und vielleicht so langweilig wie die Carola früher? Wir brauchen Geduld. Und falls du unterwegs im Stau mal wieder die Nerven verlierst, denk daran: Am Ende gibt es immer einen Silberstreif am Horizont. Oder zumindest eine neue Brücke. Bis dahin hilft vielleicht nur noch ein bisschen Humor. Passend dazu gibt es übrigens noch restliche Caps mit der Aufschrift „Broken Bridge“.

Bis dahin bleibt der Geist der Carolabrücke über der Elbe. Er erinnert uns daran, dass selbst Stahl nicht ewig hält. Er zeigt aber auch, dass die Dresdnerinnen und Dresdner mit Beharrlichkeit Brücken schlagen – wenn auch mit etwas Verspätung. Vielleicht flüstert der Geist ja schon: „Ich komme wieder. Und diesmal bleibe ich länger.“
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