Die Kathedraleninsel in Breslau.

Dresdens Partnerstädte Teil 2: Breslau und die kleinen Zwerge

Vor einigen Wochen haben wir euch von Coventry, Dresdens erster Partnerstadt, erzählt, und heute möchten wir mit Breslau weitermachen. Dresdens zweitälteste Partnerstadt liegt nur etwa 270 km von hier entfernt und einige von euch waren bestimmt schon mal vor Ort. Doch kanntet ihr die Geschichte, die Krisenzeiten und die Partnerprojekte der beiden Städte schon? Außerdem verraten wir euch auch, wo ihr die Partnerschaft in Dresdens Stadtbild sehen könnt.

Die Stadt Breslau

Etwa 3 Zugstunden von Dresden entfernt liegt die niederschlesische Stadt Breslau (poln. Wrocław). Sie ist sogar die Hauptstadt der Woiwodschaft Niederschlesien. Die Stadt liegt auf 12 Inseln verteilt und wird daher auch das polnische Venedig genannt. Die heutzutage viertgrößte Stadt Polens wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und danach, wie Dresden, wieder aufgebaut. Steht man heutzutage auf dem Altmarkt und schaut sich die vielen schönen, farbenfrohen Häuser an, könnte man meinen, man steht zwischen jahrhundertealten Bauten, aber tatsächlich ist das älteste Gebäude auf diesem Platz ein graues Haus aus den 30er Jahren, welches die Zerstörung Breslaus als einziges Gebäude auf diesem Platz überlebt hat. Läuft man weiter auf die Dominsel, findet man hier beim Einbruch der Dunkelheit eine der coolsten Traditionen Europas: Hier läuft noch ein waschechter Laternenanzünder, mit Umhang und allem Drum und Dran, durch die Straßen und entfacht das Licht in den Straßenlaternen. Achtet auch auf die vielen kleinen Zwerge, die ihr überall in der Stadt entdecken könnt. Deren Geschichte ist auf die Zeit des sozialistischen Polens zurückzuführen. Heute stehen sie überall in der Stadt verteilt und sind in die verschiedensten Aktivitäten verwickelt. Manche tanzen, manche essen Baumstriezel, manche schreiben Gedichte.

Breslauer Zwerg entspannt auf dem Boden
Über 1000 dieser kleinen Zwerge sind über ganz Breslau verteilt.

Der Weg zur Städtepartnerschaft

Die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Breslau besteht seit dem Jahr 1959. Breslau, beziehungsweise Wrocław, liegt zwar heute im westlichen Polen, hat aber bis 1945 mit Schlesien zu den verschiedensten deutschen Reichen gehört. Auch diese beiden Städte teilen das Leid der Zersörung und den Mut des Wiederaufbaus. Jedoch sah es zwischen diesen beiden Städten auch nicht immer rosig aus … Betrachtet man die Beziehung der beiden Städte als Ehe, standen sie im Jahr 1980 5 Minuten vorm Unterzeichnen der Scheidungsunterlagen. In diesem Jahr gab es in Polen Aufstände, Straßenkämpfe und Proteste gegen die sozialistische Parteidiktatur. Und sie waren erfolgreich. Somit wurde Polen auf einmal zu einer völlig neuen und fremden Welt für die DDR-Bürger. Die genauen Abläufe, Ursachen und Folgen dieser politisch schwierigen Zeit würden den Rahmen dieses Artikels sprengen. Dazu könnt ihr euch auf verschiedenen historischen Websites und in Museen informieren. Aber infolge all dieser Umstände wurde auch die Staatssicherheit aktiviert. Diese war dann dafür verantwortlich, alle Partnerschaften strengstens zu überwachen. Nach einer Verschärfung der Kontrolle wurden auch die Grenzen dichtgemacht und nahezu alle Partnerschaften wurden unterbrochen und die Zusammenarbeit eingestellt. Erst Mitte der achtziger Jahre begann die Wiederaufnahme der Partneraktivitäten zwischen den Städten, das Misstrauen blieb aber, vor allem auch durch die Regierungen, bis zur friedlichen Revolution 1989 bestehen. Heute merkt man von der ehemals angespannten Stimmung zwischen den Städten zum Glück gar nichts mehr.

Die farbenfrohen Häuser der Altstadt Breslau
Heute können wir Breslau ganz einfach erreichen und uns die hübschen Häuser anschauen.

Und heute?

Erinnert ihr euch noch an die Zwerge, von denen wir euch vorhin erzählt haben? Auch in Dresden stehen drei dieser kleinen Zwergstatuen. Diese haben wir als Stadt von Breslau geschenkt bekommen. Wer sich jetzt auf die Suche begeben möchte, sollte nun aufhören zu lesen, denn wir verraten euch jetzt, wo ihr die Zwerge finden könnt. Die Zwerge sind Botschafter und Glücksbringer und kamen 2016, 2019 und 2024 nach Dresden. Die zwei ersten Zwerge findet ihr direkt in der Nähe des Rathauses, sie symbolisieren die enge Verbindung zwischen Dresden und Breslau. Der dritte Zwerg erinnert an den polnischen Schriftsteller Jozef Ignacy Kraszewski und steht daher passend, ausgestattet mit Feder und Buch, vor dem Kraszweski-Museum in der Dresdner Neustadt. Auch Jugendaustauschprojekte, Künstleraustauschprogramme, gemeinsame Judoturniere und Schachtreffs stärken und bewahren die Städtefreundschaft bis heute.

Dresden Neustadt
Haltet doch nach dem kleinen Zwerg Ausschau, wenn ihr das nächste Mal durch die Neustadt spaziert. Photo: Sebastian Weingart (DML-BY)

Austauschprogramme der beiden Städte

Die Breslauer Zwerge sind der wohl sichtbarste Verbindungspunkt der beiden Städte. In Zusammenarbeit mit dem Kinder- und Jugendbüro Dresden und mit Unterstützung des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes organisierten die beiden Städte zusammen mit Chmelnyzkyj und Kyjiv bereits zwei Jugendaustausche zu verschiedenen jungen Perspektiven in Europa. Zum jährlichen Schachtreff vom Förderverein Schach Wolfgang Uhlmann e. V. kommen auch regelmäßig Schachbegeisterte aus Breslau und bleiben danach für einen gemeinsamen Diskussions- und Grillabend. Seit 2023 findet zwischen Dresden und Breslau ein Judo-Austausch statt. Daran beteiligen sich mehrere Judovereine sowohl aus Breslau als auch aus Dresden. Der Künstleraustausch unterstützt seit Jahren Künstler*innen aus Dresden mit Stipendien, welche ihnen die Möglichkeit geben, neue Orte, künstlerische Techniken und andere lokale Künstler*innen kennenzulernen. Dabei entstehen oft Arbeiten mit Bezug zur Stadt und zur lokalen Kunstszene, da die Künstler*innen einige Wochen in der Partnerstadt leben können. Eine dieser Partnerstädte für den künstlerischen Aufenthalt ist Breslau.

Der Hauptbahnhof Breslau sieht aus wie ein Schloss.
Reist ihr mit dem Zug an, werdet ihr bestimmt auch dieses Gebäude sehen: den Breslauer Hauptbahnhof. Dieser sieht aber eher aus wie ein Schloss als ein Bahnhof.

Wie ihr seht, wird die Partnerschaft bis heute gepflegt und ist auch im Dresdner Stadtbild sichtbar. Breslau ist unserer Meinung nach definitiv einen Besuch wert und eignet sich aufgrund der Nähe zu Dresden auch ideal für einen Wochenend- oder sogar Tagestrip, wobei wir immer empfehlen würden, euch ein paar Tage Zeit für diese schöne Stadt zu nehmen. Ab Dresden fahren täglich mehrere Züge und Flixbusse Richtung Breslau.

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