Kennt ihr die Coventrystraße im Dresdner Westen? Doch warum heißt die eigentlich so? Und was hat Dresden mit Coventry zu tun? Dresdens älteste Partnerstadt Coventry liegt mitten in England in den West Midlands. Die Geschichte der beiden Städte ist geprägt von Zerstörung und Leid sowie Versöhnung und Zusammenhalt. Wer die Industriestadt in der Nähe von Birmingham heute besucht, findet eine lebendige Stadt voller Kunst, Kultur und Sportevents vor. Als Partnerstädte haben Dresden und Coventry nicht nur eine gemeinsame Geschichte, sondern auch Austauschprogramme verschiedenster Art. Wir haben einige davon zusammengetragen und erzählen euch auch mehr über Coventry und die Geschichte der beiden Partnerstädte.

Die Stadt Coventry
Coventry liegt in der Grafschaft Warwickshire mitten in England. Fun Fact: Sie ist weiter von der Küste entfernt als jede andere britische Stadt. Mit ihren ca. 370.000 Einwohnern ist sie die elftgrößte Stadt des Vereinigten Königreichs. Coventry ist urkundlich fast 200 Jahre älter als Dresden. Im Jahr 1040 beginnt dort der Bau der Kathedrale „Abbey of St. Mary“ durch Graf Leofric und seine Frau Lady Godiva, welche bis heute in Coventry verehrt wird. Ihr kennt sie vielleicht eher aus dem berühmten Song „Don’t Stop Me Now“ der Band Queen. Im Laufe seiner Geschichte entwickelt sich Coventry zu einer der größten Städte innerhalb Englands und wird zum wirtschaftlichen Zentrum Mittelenglands. In der Nacht des 14. November 1940 wendet sich das Blatt. Coventry wird Opfer deutscher Bombenangriffe und in der Folge dessen schwer zerstört. Heute setzen sich die Stadt und die Kathedrale für Frieden und Versöhnung ein. An der Universität gibt es sogar ein „Center of Trust, Peace and Social Relations“ (dt. Zentrum für Vertrauen, Frieden und soziale Beziehungen).
Der Weg zur Städtepartnerschaft
Noch während der Zeit des Kalten Krieges, während ein eisener Vorhang die Welt in Ost und West teilte, während die DDR und England angeblich um Welten unterschiedlich waren, reichten sich zwei Städte die Hände in Frieden. Bereits in den 1950er Jahren knüpften die Kirchgemeinschaften von Dresden und Coventry Kontakte miteinander. Im Februar 1959 besiegelte dann ein Städtepartnerschaftsvertrag das Streben nach Versöhnung. Beide Städte hatten in ihrer Geschichte nur kurz zuvor eine tiefgehende Zerstörung erlebt, welche bis heute zu den größten Narben in der Stadtgeschichte zählt. Coventry war durch deutsche Bomben zerstört worden und Dresden unter anderem durch britische Bomben. Und doch konnten sich beide Städte die Hand reichen, denn sie hatten ein größeres Ziel: den Frieden und die Versöhnung. Ihre Partnerschaft setzte ein wichtiges Symbol in der geteilten Welt des Kalten Krieges: Wir sind im Herzen vereint. Wir reichen uns die Hände. Und die Partnerschaft zeigt bis heute: Zusammenhalt, Frieden und Versöhnung sollten stets über Krieg, ideologischem Machtmissbrauch und territorialer Habgier stehen.

Und heute?
Heutzutage spielen vor allem die Kirchengemeinschaften und die kulturellen Einrichtungen eine große Rolle im Erhalt und der Pflege der Städtepartnerschaft. Museen, Künstler*innen, Chöre, Ensembles und Vereine wie die Deutsch-Britische Gesellschaft Dresden engagieren sich im Austausch zwischen den Städten. Und aufgrund der Geschichte der Partnerstädte setzen sich vor allem die Kirchen für die Pflege der Städtepartnerschaft ein. In Dresden arbeiten insbesondere die Evangelisch-Lutherische Diakonissenanstalt Dresden, die Kreuzkirche, die Frauenkirche und die Kirchgemeinde Pillnitz-Hosterwitz eng mit der Kathedrale Coventry zusammen. Sie organisieren Jugendbegegnungen, Arbeitsrüstzeiten, Vorträge, Konzerte und Gesprächsrunden zum Austausch zwischen den beiden Städten. Diese Kirchen werden auch als sogenannte Nagelkreuzzentren bezeichnet. Zum 60. Jubiläum der Städtepartnerschaft 2019 wurde sogar ein fünftes Nagelkreuz vom Bischof Dr. Cocksworth an die Gedenkstätte Sophienkirche Busmannkapelle überreicht, welche ebenfalls im 2. Weltkrieg zerstört wurde.
Austauschprogramme der beiden Städte
Neben der Arbeit der Kirchengemeinden bieten sich vor allem im kulturellen Bereich viele Angebote zum Austausch für die Menschen aus Coventry und Dresden. Dazu zählt auch der Coventry/Dresden Art Exchange. Dies ist ein vergleichsweise junges Projekt zur Pflege der Städtepartnerschaft. Seit 2011 organisieren Künstler*innen aus Coventry und Dresden Ausstellungen und Arbeitsaufenthalte in den beiden Städten. Zu den Jubiläen geben der Neue Chor Dresden e. V. und Spires Music Coventry gerne gemeinsame Konzerte in den Kirchen in einer der beiden Städte. Auch der philharmonische Kinderchor und die Theatergruppe der TU Dresden hatten bereits erfolgreiche Gastspiele in Coventry.

Ihr könnt sehen die Freundschaft zwischen Coventry und Dresden hat eine jahrzehntelange Tradition und wird seitdem in vielerlei Hinsicht gepflegt. Heutzutage ist die Städtepartnerschaft zwischen Coventry und Dresden zu einem internationalen Symbol für Frieden und Versöhnung geworden. Und zu der Erinnerung was Ideologie zerstören und Liebe und Zusammenhalt wieder heilen kann. Wenn ihr jetzt auch Interesse habt an einem der Austauschprogramme teilzunehmen könnt ihr euch auf der Website der Stadt Dresden immer über die aktuellen Projekte auf dem Laufenden halten.
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