„Weißt du eigentlich, wie spät es ist?“ Ein Satz, der vielfältige Bedeutungen haben kann: Interesse, Small Talk, Ratlosigkeit, Uhrenlosigkeit, unbeholfene Kontaktaufnahme, ermahnende Bitte oder verärgerte Kritik. Weitere Fragen tun sich auf: Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? Wann klingelt der Wecker? Warum tut er dies oft so früh? Sind Zeitreisen möglich? Und wenn ja, kann ich dann meinem früheren Ich die Lottozahlen zeigen? Einige Antworten finden wir im Uhrenmuseum Glashütte.
Deutsches Uhrenmuseum Glashütte
Adresse: Schillerstraße 3a, 01768 Glashütte
Telefon: 035053-4612102
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag, jeweils 10:00 – 17:00 Uhr

Ist die Zeit im Uhrenmuseum geblieben?
Auf der Suche nach Antworten laden wir euch ein, in Glashütte vorbeizuschauen – diesem idyllischen Städtchen südlich von Dresden, das seit mehr als 175 Jahren wie ein tickendes Herz der deutschen Uhrmacherkunst schlägt. Man könnte auch sagen, es ist ziemlich „uhrig“ in Glashütte. Denn hier hat die Zeit Geschichte geschrieben, Wirtschaftswunder und Dramen erlebt. „Können wir die Zeit zurückdrehen?“ Im Deutschen Uhrenmuseum Glashütte könnt ihr es zumindest versuchen – auf einer Zeitreise, die von 1845 bis heute reicht.
Das Museum ist wie ein mechanisches Wunderwerk: Chronologisch aufgebaut, multimedial und voller Aha-Momente. Ihr trefft auf die Gründerväter – Ferdinand Adolph Lange, Moritz Grossmann und Co. – die Glashütte zur Hochburg des Präzisionsuhrenbaus machten. Exponate wie seltene Taschenuhren, Pendeluhren, Marine-Chronometer und Werkzeuge flüstern Geschichten: Von der Gründerzeit über Kriege, Demontagen und Enteignungen bis zur Wiedervereinigung und dem Neustart. Und dazwischen? „Zeiträume“, die euch in den Mikrokosmos einer Uhr eintauchen lassen – hunderte Einzelteile, die perfekt arrangiert sind, wie in einem winzigen Universum. Oder ein interaktives Glossar, das Fragen beantwortet wie: „Wie misst man Zeit eigentlich, ohne dass sie einem durch die Finger rinnt?“ Diese Erkenntnis könnte mir helfen, immer pünktlich zu sein…

In Glashütte werden Uhren zur Kunst
Das Gebäude des Uhrenmuseums selbst ist ein Zeitzeuge: Seit 1881 thront es markant in Glashütte, anfangs als Deutsche Uhrmacherschule, die Moritz Grossmann 1878 gründete. Es überstand Kriege fast unversehrt, brannte 1976 im Dachstuhl (ach, diese ungezähmten Minuten!), wurde in DDR-Zeiten zur Ingenieurschule und fand nach der Wende 1992 erstmal ein vorläufiges Ende. Doch wie eine gute Uhr tickt Glashütte weiter: 2006 entstand die Stiftung „Deutsches Uhrenmuseum Glashütte – Nicolas G. Hayek“, unterstützt von der Swatch Group. 2008 eröffnete das Museum feierlich, saniert und erweitert – mit einem neuen Glasturm als Eingang für die Uhrmacherschule „Alfred Helwig“.
Auf 1000 Quadratmetern und zwei Etagen warten über 500 Exponate: Von der Präzisions-Pendeluhr Nr. 8 von Strasser & Rohde (um 1880) über ein mechanisches Marine-Chronometer aus 1965 bis zur goldenen Damentaschenuhr von Alfred Helwig (1905). Und im Foyer? Die monumentale astronomische Kunstuhr von Hermann Goertz mit 1.756 Teilen – ewiger Kalender, Sternenanzeigen und ein Stundenschlag, der euch innehalten lässt. Seit dem 5. Dezember 2024 ist sie in Revision (erstmals seit 100 Jahren!), Teile werden neu vermessen und gefertigt.
Neben der Dauerausstellung gibt es wechselnde Sonderausstellungen, die eine Epoche, eine Persönlichkeit oder ein Produkt beleuchten – mal mit Vorträgen, Aktionen oder familienfreundlichen Programmen. Seid ihr auch Uhrenfanatiker? Oder fragt ihr euch manchmal nur, warum die Zeit so schnell vergeht? Eine Schauwerkstatt lässt euch zuschauen, wie Meisterwerke entstehen, und die Sammlung birgt Schätze wie eine Weltzeituhr von Paul Stübner (1927) oder eine Tourbillon-Taschenuhr von A. Lange & Söhne (1939). Stübners Weltzeituhr zeigt vier Zeitzonen gleichzeitig – ein technisches Wunder der 1920er, das Glashüttes globalen Ehrgeiz spiegelt. Die Tourbillon-Taschenuhr von A. Lange & Söhne, mit ihrem rotierenden Käfig gegen die Schwerkraft, verkörpert Präzision und Kunstfertigkeit, geschaffen in unruhigen Zeiten vor 1939. Beide Uhren beweisen, dass Technik auch Poesie sein kann.
Online-Shop des Deutschen Uhrenmuseums Glashütte
Der Online-Shop des Deutschen Uhrenmuseums Glashütte bietet euch eine Vielfalt an Produkten, die die Faszination der Glashütter Uhrmacherkunst greifbar machen. Von Informativem über liebevoll gestaltete Souvenirs bis hin zu kreativen Sets für Kinder – Zeit lässt sich hier nicht kaufen, aber hier findet ihr alles, um die Zeit zu genießen. Zum Sortiment gehören Puzzles, Bücher, Uhrmacherlupen oder Gutscheine für Eintritt und Führungen.
Ist die Zeit im Museum stehen geblieben? Oder geht ihr im Uhrenmuseum Glashütte auf Zeitreise? Wird es gar Zeit, dass ihr vorbeischaut? Vielleicht findet ihr hier endlich die Antwort auf Fragen, die ihr euch schon einige Zeit stellt und habt Zeit, genau diesen Mysterien auf den Grund zu gehen.
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