Der Schalenbrunnen am Dippoldiswalder Platz

Kunst im öffentlichen Raum Dresden – Mit offenen Augen durch die Stadt

Neben den vielen Museen, Ausstellungen und Galerien in Dresden bleiben die leisen Schätze häufig unentdeckt: die Kunst im öffentlichen Raum. Viele dieser Kunstwerke fügen sich so nahtlos ins Stadtbild ein, dass man leicht an ihnen vorbeiläuft, ohne sie bewusst wahrzunehmen. Doch genau hier liegt ihr besonderer Reiz. Jede Entdeckung eines Kunstwerks schenkt einen Moment der Inspiration, einen Anstoß zum Nachdenken und einen ganz besonderen Augenblick im Hier und Jetzt. Diese öffentlichen Kunstwerke gehören fest zu unserer demokratischen Kultur. Sie dienen nicht nur der Zierde, sie laden uns alle dazu ein, unvoreingenommen unsere Umgebung wahrzunehmen, Kunst so zu erleben, wie es uns gefällt, und uns von ihr berühren zu lassen. Es lohnt sich also, die Augen offen zu halten und diese versteckten Schätze unserer Stadt zu entdecken. Wir stellen euch fünf Kunstwerke vor, die man in der Altstadt und in dessen unmittelbarer Umgebung entdecken kann.

Alle fünf Kunstwerke befinden sich auf einem Fußmarsch von der Prager Straße, über den Postplatz, den Altmarkt und dann auf die gegenüberliegende Elbseite am goldenen Reiter.   Verbinden tut sie nicht nur die zentrale Lage: Sie haben außerdem alle was mit Wasser zu tun.

1. Der Schalenbrunnen von Leonie Wirth – ein Stück Stadtgeschichte

Ort: Dippoldiswalder Platz
Künstlerin: Leonie Wirth
Entstehungsdatum: 1969

Der Schalenbrunnen wurde ursprünglich 1969 von der Bildhauerin Leonie Wirth für die damals neu gestaltete Prager Straße in Dresden geschaffen. Er war Teil eines Ensembles moderner Wasserspiele, zu dem auch der berühmtere Pusteblumenbrunnen gehörte.

Im Jahr 2017 wurde entschieden, den Brunnen wieder aufzubauen, nachdem er 15 Jahre von er Stadt eingelagert worden war, da er beim Elbhochwasser 2002 Schaden genommen hatte. Seit 2019 sprudelt der Schalenbrunnen nun am Dippoldiswalder Platz, etwa 500 Meter von seinem alten Platz entfernt. Er ist also nicht nur ein erfrischender Ort zum erholen, sondern trägt auch viel Geschichte in sich. Die Art, wie das Wasser von Schale zu Schale fließt, symbolisiert den stetigen Fluss des Lebens, aber auch den Wandel der Stadtgeschichte.

Der Schalenbrunnen am Dippoldiswalder Platz
Der Schalenbrunnen am Dippoldiswalder Platz

2. „Wasserstudie // blau in blau“ – Poesie im Brunnen am Postplatz 

Ort: Westlicher Promenadenring – Brunnenanlage, Ecke Freiberger Straße – Marienstraße – Annenstraße nahe Postplatz
Künstlerin: Kerstin Quandt 
Entstehungsdatum: 2022

Am Postplatz in Dresden gibt es einen Brunnen, dessen Sandsteinmauer an alte Dresdner Festungsgräben erinnern. Das hat die Künstlerin Kerstin Quandt zu einem besonderen Kunstwerk inspiriert, das Teil des „MNEMOSYNE WasserKunstWeges“ ist. Hier kann man nun ein kurzes Gedicht von Christian Morgenstern auf den Boden des Brunnens entdecken. Der Text beschreibt das Blitzen des Wassers in einfachen Worten:

„Dieses Blitzen auf der Bläue –
Dass ich´s bildlich näher bringe –
Ist wie weisser Schmetterlinge
Unentwirrbares Gebräue.“

Die handschriftliche Schrift passt sich dem lebendigen Element Wasser an und setzt sich der geraden Architektur des Brunnens entgegen. Auch wenn man die Schrift vom Brunnenrand nur mit Mühe lesen kann – der zarte Schriftzug blitzt blau durch das bewegte Wasser und macht neugierig. Mehr darüber hier.

3. Der Trichter – die begehbare Kanalisation 

Ort: Kreuzung Dr.-Külz-Ring und Seestraße
Künstlerin: Franka Hörnschemeyer
Entstehungsdatum: 2011

Wenn man durch die Dresdner Altstadt spaziert, genauer gesagt an der Kreuzung Dr.-Külz-Ring und Seestraße, stößt man auf ein ungewöhnliches Kunstwerk, das den Namen „Trichter“ trägt. Diese begehbare Installation ermöglicht es, hinabzusteigen und direkt auf ein historisches Kanalsystem zu blicken.

Das Kunstwerk ist bekannt dafür, dass es polarisiert und Diskussionen anregt. Und ja, manchmal sieht man durch die Öffnung nicht viel, besonders wenn es draußen kälter ist und sich Kondenswasser bildet – oder, wie man auch sagen kann, wenn „die Kacke am Dampfen ist“. Genau diese Offenheit für Interpretationen und die direkte Konfrontation mit einem sonst verborgenen System macht den „Trichter“ so spannend. Warum sollte man der Kanalisation beim Fließen zusehen können?

Die Idee dahinter blickt auf die Geschichte der Stadt zurück: Dresden entwickelte im 19. Jahrhundert ein fortschrittliches Abwassersystem, das entscheidend für die Gesundheit und das Wachstum der Stadt war. Der „Trichter“ lässt uns diese Ingenieursleistung und die „Eingeweide“ der Stadt erkennen. Er zeigt, dass unter der Oberfläche oft eine komplexe und wichtige Infrastruktur verborgen liegt, die das moderne Leben erst ermöglicht.

Der Trichter - Kunst im öffentlichen Raum - Altstadt Dresden
Der Trichter in der Altstadt Dresden

4. „Aqualux“ am ehemaligen Gondelhafen

Ort: Hasenberg, zwischen Neuer Synagoge und Brühlscher Terrasse
Künstlerin: Kirsten Kaiser 
Entstehungsdatum: 2003 

Interessant ist der Ort, an dem das Kunstwerk steht: Hier, in dieser Senke am Elbufer, gab es früher – bis Mitte des 19. Jahrhunderts – einen Gondelhafen, wo der Kaitzbach direkt in die Elbe mündete. Heute ist es eine ruhige Rasenfläche. Doch die geschwungenen Formen der Plastik erinnern daran, dass hier einst ein Gewässer floss. 

Das aus Acrylglas gefertigten Objekt „Aqualux“ besteht aus neun gebogenen Segmenten, die sich am Boden entlang schlängeln. Durch das durchsichtige Material fallen diese tagsüber kaum auf. Nachts entdeckt man diese dann schon eher – durch die blaue Beleuchtung. „Aqualux“ ist eins von vielen Kunstwerken vom WasserKunstWeg Dresden mit dem Projektnamen „Mnemosyne“. Bei diesem Projekt ging es um die Auseinandersetzung damit, wie wir Menschen in unserer Gesellschaft mit der Natur umgehen, besonders am Beispiel Wasser in der Stadt.

Aqualux auf dem Hasenberg

5. Keramik-Brunnen beim goldenen Reiter – Der Blütenbaum

Ort: vor dem Volkskunstmuseum, nahe Neustädter Markt und Goldener Reiter
Künstlerin: Eva Peschel
Entstehungdatum: 1979

In der Inneren Neustadt Dresdens, etwas versteckt im Jägerhof, findet man ein besonderes Kunstwerk: den „Blütenbaum“-Brunnen von Künstlerin Eva Peschel. Er entstand im Zuge der Neugestaltung des Neustädter Marktes und der Einweihung der Hauptstraße. Dieser besondere Brunnen stellt eine stilisierte blühende Blume dar. Aus seinem „Stempel“ fließt das Wasser sanft, fast wie Blütennektar.

Lange Zeit war dieser Brunnen stillgelegt, durch einen Bauzaun geschützt und wartete auf seine Rettung. Doch es gibt gute Neuigkeiten: Anfang dieses Jahres haben endlich die lang ersehnten Sanierungsarbeiten begonnen, um dieses keramische Kunstwerk wieder in vollem Glanz erstrahlen zu lassen.

Die Kunst im öffentlichen Raum lädt dazu ein, mit offenen Augen durch die Straßen zu gehen und fordert dazu auf, aktiv und genau hinzuschauen. Neben moderner Kunst, gibt es viele historische Plastiken, Denkmäler, Wandbilder, usw., die es zu entdecken gibt. Für manche dürfte farbenfrohe Graffiti-Kunst – Urban Art – interessanter sein, andere entdecken vielleicht auch in scheinbar alltäglichen und zufälligen Dingen Kunst, wie Paulus Goerden auf seinem Instagram Kanal. Viele Kunstwerke oder auch Performances finden nur temporär statt. Einige überraschen, manche regen zum Nachdenken an und andere schenken Freude. Vor allem sind sie für alle Menschen da und eine tolle Abwechslung zum eintönigen Gleichschritt der Funktionalität.

Wir hoffen, wir konnten euch neugierig dazu machen, unerwartete Schätze im Stadtbild zu entdecken. Wollt ihr eine weitere Tour zur Kunst im öffentlichen Raum? Welche Kunst habt ihr draußen in Dresden entdeckt, die euch so richtig fasziniert oder überrascht hat? Schreibt es in die Kommentare!

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