Wir schreiben das Jahr 1526. Genauer gesagt den 31. Juli diesen Jahres. In Freiberg kommt der jüngere Sohn des sächsischen Kurfürstenpaares auf die Welt. August, Kurfürst von Sachsen, steht oft im Schatten seines Namenszwillings August der Starke. Aber er legte den Grundstein für die heutigen Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und in diesem Jahr feiert er seinen 500. Geburtstag.
August, Kurfürst von Sachsen, nicht August der Starke
Als zweiter Sohn und jüngstes Kind von Heinrich dem Frommen und Katharina von Mecklenburg war August eigentlich nie als Kurfürst vorgesehen. Diese Ehre gebührte seinem älteren Bruder Moritz, welcher 1541 tatsächlich die Nachfolge des Vaters antrat. August hingegen heiratete 1548 die junge Prinzessin Anna von Dänemark. Die zwei führten eine scheinbar harmonische Ehe, der 15 Kinder entsprangen. Allerdings überlebten nur 4 dieser Kinder ihren eigenen Vater. Angeblich lebten Anna und August während ihrer 37 Ehejahre nur wenige Tage getrennt voneinander. Nachdem sein Bruder Moritz 1553 bei einer Schlacht ums Leben kam, wurde der gerade einmal 27-jährige August Kurfürst von Sachsen. August besuchte zwar die Universität Leipzig, war aber dennoch kein humanistisch geprägter Herrscher. Durch seine Erziehung am kaiserlichen Hof in Innsbruck verband August eine enge Freundschaft mit dem Kaiser Maximilian II. Unter Kurfürst August entwickelte sich Sachsen außerdem stark weiter. Er schuf eine wirksame Verwaltung, unter anderem durch das Einführen einer Berg-, Münz- und Kirchenordnung, und er gründete die Kunstkammer, auf welche wir später noch zu sprechen kommen werden. Daher wird er auch bis heute noch im Volksmund als „Vater August“ bezeichnet. August selbst war lutheranischer Konfession, aber er bemühte sich maßgeblich um einen Religionsfrieden in den deutschen Landen. Auf dem Reichstag von Augsburg 1555 initiierte er das Unterzeichnen der Konkordienformel, welche einen solchen Religionsfrieden sichern sollte. Unter anderem aufgrund dieser Bemühungen wird er in der Literatur auch als einer der wichtigsten Herrscher der Renaissance in Mitteleuropa bezeichnet. Nach dem Tod seiner Frau Anna nahm er im Januar 1586, nur sechs Wochen vor seinem Tod, die 12-jährige Agnes Hedwig von Anhalt-Dessau zur Frau. Dabei ist wichtig zu verstehen, dass Eheschließungen in dieser Zeit bei Adligen nichts mit Liebe, sondern nur mit politischem Kalkül und Allianzbildung zu tun hatten.
Auch Spielsteine mit Augusts Porträt gibt es. Dieser stammt aus dem Jahr 1591. Foto: Jürgen Lösel Lucas Cranach d. J. malte in den 1560ern dieses Porträt von Kurfürst August von Sachsen. Foto: Elke Estel/Hans-Peter Klut
Augusts Bedeutung für Dresden
Obwohl August oft im Schatten seines Namensgenossen August dem Starken und seines großen Bruders Moritz steht, hat er viel zu Dresdens Entwicklung zur Kulturstadt beigetragen. Wie bereits erwähnt gründete er 1560 die Kunstkammer im Dresdner Residenzschloss. Diese legte den Grundstein für die kurfürstlichen Sammlungen und somit auch das Fundament für die heutigen Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, welche man nach wie vor in Dresden besuchen kann. August war ein leidenschaftlicher Sammler und Anwender wissenschaftlicher Instrumente und technischer Werkzeuge. Einige seiner Sammelstücke sind noch heute in den Museen der SKD zu finden. Als einer der einflussreichsten protestantischen Reichsführer ist August noch heute Thema in politik- und kunsthistorischen Kreisen.

500 Jahre August – Was muss man gesehen haben?
August feierte bereits am 31. Juli 2026 seinen 500. Geburtstag. Der Mathematisch-Physikalische Salon der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden organisiert noch bis Dezember zu seinen Ehren mehrere Themenführungen sowie eine internationale Tagung im Oktober. Die internationale Tagung findet unter dem Titel „Wissen, Repräsentation und Herrschaftspraxis am Hof Kurfürst Augusts von Sachsen (1526–1586). 500 Jahre und viele offene Fragen“ vom 4. bis zum 6. Oktober mit Professoren der frühen Neuzeit aus Dresden, Leipzig und Münster statt. Unter anderem sollen etablierte Geschichtsbilder, wie das des Vater Augusts, hinterfragt werden. Eingeleitet wird die Veranstaltung am 4. Oktober um 18:00 Uhr mit einem öffentlichen Abendvortrag von Prof. Dr. Hannes Ziegler, Professor für Geschichte der Frühen Neuzeit an der TU Dresden, zum Thema „Augustus Churfürst – Über die Erfindung eines Fürsten“ in der Schlosskapelle. Sowohl dieser Vortrag als auch die Tagung sind nach vorheriger Anmeldung allen geöffnet. Im Grünen Gewölbe, in der Rüstkammer, in der Gemäldegalerie Alte Meister und dem Mathematisch-Physikalischen Salon werden des Weiteren Highlights der Kunstsammlungen Augusts von WissenschaftlerInnen vorgestellt. Außerdem wird die Herbstausgabe der Dresdner Kunstblätter dem Kurfürsten August gewidmet. Vom passionierten Jäger bis hin zum frommen Lutheraner wird dieser hier von allen Seiten Facetten präsentiert.

Schloss Augustusburg
Wer Lust auf einen Ausflug im Umland von Dresden hat, den erwartet auf dem Schloss Augustusburg, im gleichnamigen Ort zwischen Freiberg und Chemnitz, ein vielfältiges Angebot zum Jubiläumsjahr. Hier am Nordrand des Erzgebirges steht die sogenannte „Krone des Erzgebirges“. Das Schloss war Augusts Domizil für jegliche Jagdausflüge und er wollte mit dem Erbau auch seine Stellung unterstreichen. Euch erwarten diverse Veranstaltungen wie Führungen, zum Beispiel mit KammerdienerInnen oder auch durch verborgene Räume des Schlosses, eine Erlebnis-Zeitreise mit Kostümen und einer Festtafel, oder für alle Kulinarik-Liebhaber auch ein Vortrag mit Verkostung zur Gewürzküche des Dresdner Hofes mit anschließenden Renaissance-Tänzen. Weitere Veranstaltungen sowie die genauen Daten findet ihr hier. Im Ticket enthalten sind neben dem Erkunden des Schlosses und der Baugeschichte auch das Motorradmuseum, das Jagd- und Vogelkundemuseum, der Schlosskerker, der Kutschenturm und der Aussichtsturm mit Blick über das Erzgebirge sowie das Café Anna, in dem ihr euch mit einer Stärkung versorgen könnt. Tickets bekommt ihr bereits ab 16 €.
Adresse: Schloss 1, 09573 Augustusburg
Öffnungszeiten: April bis Oktober: Montag – Sonntag 10:00 – 17:00 Uhr; November bis März: Montag – Sonntag 10:00 – 16:00 Uhr; an Feiertagen können die Öffnungszeiten abweichen
Tickets: Erwachsene: 20€; Ermäßigt: 16€; Familie: 50€
Kontakt: 0372 913800 oder service@asl-schloesser.de oder auf der Website

August war also von großer Bedeutung für Sachsen und sein Jubiläumsgeburtstag sorgt für spannende Events. Dennoch sollte er nicht einfach so als Herrscher glorifiziert werden. Durch seine Zentralisierung der Macht in Sachsen gelang ihm zwar eine effizientere Verwaltung, aber er erlangte auch eine autoritäre Herrschaft. Später schreibt man dieser Herrschaft bereits beinahe absolutistische Tendenzen zu. Durch seine Sammlungen legte er zwar den Grundstein für die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, aber er förderte auch stark den Bergbau, um seine Schatzkammern zu füllen. Die Bevölkerung in Sachsen litt dadurch unter einer starken Belastung durch Steuern. Und auch während seiner Zeit als Herrscher wurden Frauen in Sachsen als Hexen verfolgt und ermordet. Also, nutzt das Jubiläumsjahr, um euch mithilfe von tollen Angeboten weiterzubilden und mehr über die Geschichte Sachsens und seiner vielen verschiedenen Kurfürsten zu lernen.
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