Dresdens Partnerstädte Teil 3: Das „Venedig des Nordens“

Aufgrund des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine haben wir lange überlegt, wie wir mit dieser Städtepartnerschaft umgehen. Aber St. Petersburg ist eine Partnerstadt von Dresden, auch weiterhin, und chronologisch die dritte Städtepartnerschaft, welche besiegelt wurde. Aus diesem Grund stellen wir euch heute die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und St. Petersburg sowie die Stadt St. Petersburg vor. Dennoch sprechen wir keine aktuelle Reiseempfehlung für diese Stadt aus. Mehr Infos dazu findet ihr auch beim Auswärtigen Amt. Des Weiteren gibt es keine aktuellen Projekte zwischen den beiden Städten. Trotzdem könnt ihr die Stadt und die Geschichte ihrer Freundschaft zu Dresden heute kennenlernen.

Ein Kanal in St. Petersburg. Schiffe liegen am Rand und die Fassaden strecken sich empor.
Den Spitznamen „Venedig des Nordens“ hat St. Petersburg sich mehr als verdient!

Die Stadt St. Petersburg

St. Petersburg ist mit 5,38 Millionen EinwohnerInnen die nördlichste Millionenstadt der Welt. Das sogenannte „Venedig des Nordens“ liegt auf ganzen 42 Inseln verteilt im Mündungsdelta der Newa im Finnischen Meerbusen. Die Stadt im Nordwesten Russlands wurde von dem russischen Zaren Peter dem Großen im Jahr 1703 gegründet. Seitdem erlebte die Stadt eine wechselhafte Geschichte. Lange fungierte sie als Hauptstadt des Russischen Reiches und zog Luxus und Adel an. Der Adel lebte in wunderschönen Palästen in Saus und Braus, während die Bevölkerung hungerte. Somit kam es dann im Jahr 1917 auch direkt in St. Petersburg zum Ausbruch der Oktoberrevolution, welche den Weg für die Sowjetunion ebnete. Nach der Revolution wurde St. Petersburg in Leningrad umbenannt und behielt diesen Namen bis 1991. Davor hieß sie übrigens auch nicht St. Petersburg, sondern Petrograd. Zu Beginn der 1940er Jahre folgte dann eine der dunkelsten Zeiten der Stadt St. Petersburg. Während der bekannten „Leningrader Blockade“ wurde Leningrad über zwei Jahre lang durch deutsche, spanische und finnische Truppen belagert. Heute schätzt man, dass in dieser Zeit über eine Million Menschen in der Stadt verhungerten. Heutzutage besuchen Touristen in St. Petersburg vor allem den Newski-Prospekt, die Eremitage oder das Mariinski-Theater. Vor allem die Zeit der sogenannten „Weißen Nächte“ ist bei Besuchern beliebt. Allerdings wird durch das Auswärtige Amt aktuell ausdrücklich vor Reisen nach Russland gewarnt und dies sollte auch ernst genommen werden.

Dämmerung in St. Petersburg. Einige Gebäude der Stadt und eine Brücke sind vom Wasser aus zu sehen.
Über die weißen Nächte schrieb schon Dostojewski in seiner gleichnamigen Novelle.

Der Weg zur Städtepartnerschaft

Wir schreiben das Jahr 1961. St. Petersburg, damals Leningrad, und Dresden besiegeln ihre Städtepartnerschaft. Beide Städte sind von einem Krieg gezeichnet, den die Welt vorher so noch nie erlebt hat, und alle sollten wissen: Es soll nie wieder so weit kommen. Um zur Versöhnung und Völkerverständigung beizutragen, besiegeln die beiden Städte ihre Partnerschaft, um den Austausch für ein friedliches Miteinander der Menschen in den Städten zu fördern. Anders als in Coventry und Breslau handelt es sich bei dieser Partnerschaft um eine „verordnete Partnerschaft“, welche sich auf die geschichtlichen Entwicklungen im Jahr 1961 zurückverfolgen lässt. Dennoch zeigen beide Städte eine große Verbindung: Sie wollen Zentrum für Kunst, Kultur, Wirtschaft und Wissenschaft sein. Trotz unterschiedlicher gesellschaftlicher Entwicklungen verlieren sich die beiden Städte nie aus den Augen. In jeglichen gesellschaftlichen Bereichen, sei es Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Kunst, Kultur oder Umwelt- und Denkmalschutz, arbeiten die Städte und vor allem die EinwohnerInnen der Städte zusammen für eine bessere Zukunft. Im Jahr 2018 gab es dafür sogar eine Ehrenurkunde der Außenminister Russlands und Deutschlands für den herausragenden Beitrag zur Zusammenarbeit, welchen diese Partnerschaft leistet.

Auf dem Bild ist die Newa in St. Petersburg zu sehen. Auf ihr befinden sich Schiffe. DIe Uferpromenade wird von der Sonne angeschienen.
Die Newa fließt durch St. Petersburg bevor sie in die Ostsee mündet.

Und heute?

Noch im Jahr 2021 wurden 60 Jahre Städtepartnerschaft gefeiert, aber wie bereits erwähnt gibt es verständlicherweise aktuell keine gemeinsamen Projekte oder Austauschprogramme zwischen den Städten. Die Stadt Dresden verurteilt den Angriff Russlands auf die Ukraine zutiefst als Bruch des Völkerrechts. Die Solidarität gilt der Ukraine und den ukrainischen Menschen. Humanitäre Hilfe vor Ort wird zum Beispiel von der Stadt Dresden mit der Hilfsorganisation arche noVa e. V. durch „Dresden hilft“ oder auch die „Aktion Deutschland hilft“ geleistet. Dennoch bekennt sich die Stadt Dresden seit einigen Tagen nach dem Ausbruch des Krieges bewusst zur Städtepartnerschaft und zur Freundschaft mit den Menschen in St. Petersburg, welche ebenfalls den Frieden wollen. Dieser Krieg sei kein Krieg der russischen Zivilbevölkerung, sondern einer der mächtigen und diktatorischen Elite. Für jeden Dialog bliebe die Hand nach St. Petersburg immer ausgestreckt. Das Signal für Frieden und Versöhnung soll auch weiterhin ausgestrahlt werden. Oberbürgermeister Dirk Hilbert hat außerdem den Gouverneur der Stadt St. Petersburg dazu aufgerufen, sich für ein schnellstmögliches Ende des Krieges sowie für ein demokratisches Land auszusprechen.

Die Newa in St. Petersburg im Winter.
Früher wurde die zugefrorene Newa im Winter auch als Eisstraße und zum Freizeiteislaufen genutzt.

Wir alle kennen die St. Petersburger Straße in Dresdens Zentrum, manche fahren vielleicht sogar täglich darüber. Und viele kennen auch die Geschichte der Leningrader Blockade und natürlich die DDR-Vergangenheit unserer Stadt. Die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und St. Petersburg sollte aber immer für den Frieden, für die Versöhnung und für das Miteinander stehen. Wir alle hoffen auf ein schnelles Ende dieses Krieges und reichen uns hoffentlich auch bald wieder gegenseitig die Hand.

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