Blauer Banner mit Gesichtern vom Jahr der jüdischen Kultur 2026

TACHELES – Das erste Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen

Seit dem 14. Dezember 2025 läuft in Sachsen das Themenjahr „TACHELES“, welches sich ganz der jüdischen Kultur und Gemeinschaft widmet. Bis zum 12. Dezember 2026 finden dafür im gesamten Bundesland zahlreiche Veranstaltungen und Programmpunkte statt, die jüdisch-sächsische Gemeinschaft, jüdische Geschichte und heutiges jüdisches Leben in vielen Regionen sichtbar machen wollen. Warum TACHELES so wichtig ist, wer bei dem Themenjahr mitwirkt und welche Veranstaltungen speziell in Dresden geplant sind, erfahrt ihr in diesem Beitrag!

Was ist TACHELES?

„Tacheles“ ist nicht nur der Titel des Jahres der jüdischen Kultur, sondern zugleich auch das Leitmotiv. Das Wort stammt aus dem Jiddischen und steht hier für offene Gesprächskultur, für „Klartext reden“: Direkt, ehrlich und mit Verantwortung sollen Dialoge auf Augenhöhe stattfinden, in denen jüdische Stimmen und Perspektiven zu Wort kommen. Das Themenjahr startete bewusst mit Chanukka und setzte schon so ein Signal für Sichtbarkeit, für das Sprechen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des jüdischen Lebens in Sachsen. Entstanden ist die Idee aus Diskussionen in Leipzig und Dresden rund um ein Museum zu jüdischer Geschichte und Kultur – statt eines einzigen Ortes entwickelte sich daraus das Konzept eines sachsenweiten Themenjahrs. Das Jahr 2026 wurde dabei bewusst gewählt, da der erste sächsische Landesverband der Jüdischen Gemeinden mit seiner Gründung vor genau 100 Jahren nun Jubiläum feiert. Dieses 100-jährige Bestehen wird als Anlass genommen, um die vielseitige jüdische Geschichte und Kultur ebenso wie das aktuelle jüdische Leben zu zeigen und zudem ein starkes Zeichen gegen Antisemitismus zu setzen.

„Tacheles“ bedeutet Freiheit – aber auch Verantwortung. Keine Meinungsbildung ohne Bildung. Auch dafür steht das Themenjahr.

Jahr der jüdischen Kultur in Sachsen 2026

Wie wichtig solch ein Themenjahr ist, zeigt sich leider am dramtischen Anstieg antisemitischer Gewalt und Diskriminierung in Deutschland. TACHELES formuliert daraus eine Haltung: Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft, Wertschätzung jüdischen Lebens und zugleich das Aufzeigen klarer Regeln für einen respektvollen Umgang miteinander. Denn wo jüdische Geschichte und Gegenwart öffentlich betrachtet werden, sei es in Konzerten, Diskussionen oder in der Schule, entstehen ab und an Fragen oder sogar Konflikte. Darauf reagiert das Themenjahr mit einem Leitbild, das sich explizit an den Grundrechten der Menschenwürde sowie der Meinungsfreiheit orientiert und daraus den Anspruch an die Debatten- und Streitkultur ableitet, gemeinsam, auf Augenhöhe und ohne Abwertung in den Dialog zu gehen.
Darüber hinaus liegt der Fokus des Projekts darin, jüdisches Leben als aktiven Teil der sächsischen Gesellschaft sichtbar zu machen. Oft werde nämlich vergessen, dass jüdische Kultur in Sachsen nicht „nur“ Vergangenheit, sondern auch in der Gegenwart ein Teil von Lokal- und Regionalgeschichte ist, die in Gemeinden, Kulturhäusern, Bildungsarbeit und persönlichen Biografien stattfindet. Bei TACHELES geht es somit um Stimmen, Kunst, Alltag, Humor, Streitkultur und Sprache der jüdischen Kultur in unserer Gesellschaft.

Mitwirkende von TACHELES
Vertreter*innen der jüdischen Gemeinschaft sowie Personen, die sich mit jüdischer Kultur und Geschichte in Sachsen beschäftigen. | Foto: Tacheles 2026

Was will TACHELES erreichen?

Wie bereits deutlich wurde, geht es dem Themenjahr darum, jüdisches Leben, Kultur und Geschichte als selbstverständlichen Teil der sächsischen Gesellschaft zu sehen, zu verstehen und zu würdigen. Um dies zu erreichen, schafft TACHELES Räume, in denen Austausch und Einblicke möglich werden. Dafür wurde nicht nur ein klares Leitbild formuliert, sondern auch ganz konkrete Ziele. Zum einen geht es um Sichtbarkeit und Zugang, also darum, jüdische Kultur sowohl in Städten als auch in ländlichen Regionen erlebbar zu machen. Zum anderen geht es um Begegnung und Austausch: Es sollen Situationen geschaffen werden, in denen jüdische und nichtjüdische Stimmen über Geschichte, Gegenwart, Unterschiede und gemeinsame Fragen ins Gespräch kommen. Darüber hinaus werden Stärkung und Vernetzung vorhandener Initiativen und Akteur:innen in den Blick genommen, um Menschen zusammenzubringen und auch nach Ende von 2026 die Errungenschaften des Themenjahrs beizubehalten. Feste Bestandteile sind dabei immer Zugehörigkeit, Toleranz, Humor und Austausch.

Highlights von TACHELES: Geplante Veranstaltungen und Formate in Dresden

Eine große Empfehlung ist die Hybride Wanderausstellung „Sichtbare Vielfalt. Religionen in Sachsen“, die vom 01. bis zum 26. Juni im Sächsischen Staatsministerium des Innern auf der Wilhelm-Buck-Straße zu sehen sein wird. Auf großen, freistehenden Postern werden hier Fotos von Menschen präsentiert, die verschiedenen Religionsgemeinschaften angehören und in einführenden Texten ihren individuell gelebten Glauben zugänglich machen.
Ebenfalls ein Highlight ist die Dauerausstellung „Märchenland Operette?“ im Foyer der Staatsoperette Dresden, die noch bis zum 02. November besucht werden kann. Einprägsam widmet sich diese Ausstellung vergessenen und verfolgten Künstler:innen des musikalischen Volkstheaters Dresden. „Der Fokus der Ausstellung richtet sich auf erforschte Einzelschicksale, die ihrer künstlerischen Heimat und ihrer Zuflucht beraubt worden sind“, erklären die Veranstalter:innen.

Auch Filme sind ein Teil des Themenjahrs der jüdischen Kultur in Sachsen. So wird vom 19. März bis zum 13. Mai die Filmreihe „Verdrängtes und gelebtes Gedächtnis – jüdisches Leben im deutschen Film nach 1945“ im Museumskino der Technischen Sammlungen gezeigt. Inhalt ist dabei der Alltag jüdischer Menschen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Ost- und Westdeutschland, der aufgrund unterschiedlicher politischer Systeme und Ideologien in beiden Ländern grundlegend anders aussah. Darüber hinaus wird die Geschichte „von Abwesenheit und Schuldabwehr, von langsam einsetzender Aufarbeitung und schließlich von vielstimmiger Normalität“ in den Blick genommen.
Eine ganz besondere Veranstaltung findet zudem am 28. Mai in der Semperoper statt, wenn der Stummfilm „Die Stadt ohne Juden“ aus dem Jahr 1924 gezeigt wird. Als eine der bedeutsamsten Produktionen Österreichs behandelt der Film die Vertreibung der jüdischen Bevölkerung und den damit einhergehenden Verlust für die Stadt. Musikalisch begleitet wird das Ganze von der bekannten Komponistin Olga Neuwirth.
Am 16. Mai könnt ihr euch außerdem die Uraufführung des Musicals „Simsalabim – Das magische Leben des Dr. Schreiber“ in der Staatsoperette anschauen, das jüdisches Leben zwischen Zauber und Politthriller inszeniert. Die Musik besteht dabei aus Balladen und Swing.

Weitere Tipps:

  • 18. März: Spielfilm „One Life – Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt“ im Kathedralforum Dresden
  • 12. April: Philharmonisches Konzert „Aus dem Böhmerwald“ in den Landesbühnen Radebeul
  • 05. Mai: Rundgang „An jüdisches Leben erinnern“ in Dresden
  • 17. Mai: Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ in den Richard-Wagner-Stätten Graupa
  • 11. Juni: „Schreib mir nur immer viel“ – Lesung aus dem Briefwechsel zwischen Hans und Lea Grundig im Saal der Gedenkstätte Bautzner Straße Dresden

Alle aktuellen Veranstaltungen von TACHELES findet ihr übersichtlich hier.

Schauspieler:innen auf einer Bühne zum Theaterstück "Tshemodan"
Szene aus der Show „Tshemodan“. | Foto: Shendl Copitman

TACHELES ist insgesamt ein Themenjahr, das Wissen, Begegnung und Debatte rund um jüdisches Leben und Kultur zusammenbringt. In der aktuellen Zeit ist nichts wichtiger als Gemeinschaft, Zusammenhalt, Verständnis und Toleranz – und genau dafür setzt sich TACHELES ein. Schaut also gern im Programmkalender des Themenjahrs vorbei und nehmt an informativen Veranstaltungen teil!

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