Segeln, Rudern, Knoten knüpfen und eine Wurfleine möglichst weit durch die Luft befördern: Beim Seesportclub Dresden geht es ziemlich abwechslungsreich zu. Vor allem Kinder und Jugendliche lernen hier nicht nur den sicheren Umgang mit Booten, sondern auch, Verantwortung zu übernehmen und als Mannschaft zusammenzuhalten. Zum Auftakt unserer neuen Vereinsreihe haben wir mit dem Vereinsvorsitzenden Uwe Finsterbusch und dem jungen Vereinsmitglied Vicky gesprochen.
Dresden hat eine unglaublich vielfältige Vereinslandschaft. Hinter vielen dieser Vereine stehen Menschen, die einen großen Teil ihrer Freizeit investieren, um gemeinsam Sport zu treiben, Traditionen zu erhalten oder Kindern und Jugendlichen besondere Erlebnisse zu ermöglichen. Genau diese Vereine möchten wir euch künftig häufiger vorstellen.
Den Anfang macht der Seesportclub Dresden. Rund 65 Mitglieder treffen sich regelmäßig auf dem Vereinsgelände an der Tolkewitzer Straße 65. Direkt an der Elbe wird hier gesegelt, gerudert, geworfen, geknotet und vor allem gemeinsam angepackt.
Was ist Seesport eigentlich?
Wer zum ersten Mal das Wort Seesport hört, denkt wahrscheinlich vor allem ans Segeln. Tatsächlich steckt aber deutlich mehr dahinter. Der Sport hat seine Wurzeln in der maritimen Ausbildung für die große Schifffahrt. Heute verbindet der Seesportclub diese Tradition mit sportlicher Betätigung und moderner Kinder- und Jugendarbeit.
Zum Training gehören das Segeln in verschiedenen Bootsklassen, das Rudern im Kutter und Dinghy, Schwimmen, Laufen und Tauklettern. Auch seemännische Fertigkeiten spielen eine wichtige Rolle. Dazu zählen das Knüpfen verschiedener Knoten und das Werfen einer Wurfleine. Bei Wettkämpfen kommt es dabei je nach Disziplin auf Schnelligkeit, Weite und natürlich auf die richtige Ausführung an.
„Es geht nicht nur darum, ein Boot zu beherrschen“, erklärt Vereinsvorsitzender Uwe Finsterbusch. „Die Kinder lernen Verantwortung zu übernehmen, als Mannschaft zusammenzuarbeiten und sich aufeinander zu verlassen.“
Gesegelt wird unter anderem im Optimisten, einer kleinen Jolle für Kinder, in der Ixylon für zwei Personen und im deutlich größeren Kutter ZK 10. Darin finden je nach Einsatz sechs bis elf Personen Platz. Spätestens hier wird deutlich, wie wichtig eine eingespielte Mannschaft ist.

So kam Vicky zum Seesportclub Dresden
Vicky (10) entdeckte den Verein bei einem Probetraining. Das ist inzwischen vier Jahre her. Seitdem kommt sie einmal pro Woche zum Training und nimmt mit dem Verein auch an Regatten und gemeinsamen Camps teil.
Besonders viel Spaß macht ihr das Wurfleinewerfen. Dabei muss eine Leine möglichst schnell und weit in ein festgelegtes Feld geworfen werden. Doch auch das Segeln und Knoten gehören für Vicky längst selbstverständlich dazu.
An ihr erstes Training kann sie sich zwar nicht mehr an jedes Detail erinnern. Neu und ungewohnt sei damals aber vieles gewesen. Sie kannte noch niemanden und musste sich erst einmal in der Gruppe zurechtfinden. Geblieben ist sie trotzdem. Heute schätzt sie besonders den Umgang miteinander und die Hilfsbereitschaft im Verein.
„Ich habe im Verein gelernt, dass man zusammenhalten muss, um zu gewinnen“, erzählt Vicky. Stolz ist sie darauf, wie schnell sie mittlerweile segeln, werfen und Knoten knüpfen kann. Außerdem hat sie bereits ihren Jugendsegelschein gemacht.

Im Sommer auf der Elbe, im Winter an Land
Zwischen Mai und Oktober verbringen die Vereinsmitglieder möglichst viel Zeit draußen und auf dem Wasser. Je nach Trainingsgruppe geht es mit dem Segelboot oder dem Ruderboot auf die Elbe. Ob tatsächlich gefahren werden kann, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab.
Mal ist der Wasserstand zu niedrig, mal fehlt der Wind und an anderen Tagen weht er zu stark. Die jungen Vereinsmitglieder lernen deshalb auch, Wetter und Bedingungen richtig einzuschätzen. Gerade auf einem kleinen Segelboot tragen sie dabei schon früh Verantwortung.
Im Winter wird das Training an Land fortgesetzt. Dann üben die Kinder und Jugendlichen unter anderem Knoten, Wurfleinewerfen, Technik, Kraft und Kondition. Bei schlechtem Wetter steht auch Theorie auf dem Programm. Teilweise trainieren die Gruppen auf dem benachbarten Sportplatz, in der Bootshalle oder zu bestimmten Terminen in einer Turnhalle.
Was Vicky besonders gefällt: Die Trainer erklären die Übungen nicht einfach nur, sondern machen häufig selbst mit. Beim Knoten auf Zeit kontrollieren sie beispielsweise genau, wo sich Fehler eingeschlichen haben und zeigen, wie es besser geht.

Segeln bei Windstärke sieben
Ihr bisher spannendstes Vereinserlebnis hatte Vicky bei einer Regatta in Delitzsch. Dort herrschte auf dem Wasser zeitweise Windstärke fünf bis sieben.
Für die jungen Seglerinnen und Segler war das eine besondere Herausforderung. In den kleinen Booten sitzen sie allein, steuern selbst und müssen gleichzeitig das Segel unter Kontrolle halten. Bei mehr als Windstärke sieben dürfen die Kleinboote aus Sicherheitsgründen nicht mehr aufs Wasser.
Vicky beschreibt das Erlebnis als kompliziert, sehr aufregend und trotzdem schön. Genau solche Momente zeigen, wie viel Konzentration und Selbstvertrauen die Kinder beim Seesport entwickeln.
Für ihre nächsten Wettkämpfe hat sie bereits klare Ziele: Sie möchte ihre Knoten in weniger als einer Minute schaffen und bei einer Regatta gern einmal unter die besten drei kommen. Über einen eigenen Pokal würde sie sich natürlich ebenfalls freuen.

Gemeinsam unterwegs und gemeinsam erfolgreich
Regatten gehören fest zum Vereinsjahr. Die Mannschaften des Seesportclubs nehmen an Wettkämpfen in Dresden, Sachsen und weiteren Teilen Ostdeutschlands teil. Dazu zählen Meisterschaften im Kutterrudern, Läufe zum Sächsischen Pokal im Jollenmehrkampf sowie Segelregatten mit Optimisten, Ixylons und Kuttern.
Mindestens genauso wichtig sind jedoch die Erlebnisse abseits der eigentlichen Wettkämpfe. Jedes Jahr zu Pfingsten findet beispielsweise eine gemeinsame Kinder- und Jugenderlebnisfahrt an einen Baggersee im tschechischen Lovosice statt. Im Frühjahr geht es außerdem zum Trainingslager beim Marineclub Delitzsch. Wanderfahrten, Camps und gemeinsame Veranstaltungen runden das Vereinsjahr ab.
Dabei entstehen Freundschaften, die weit über das wöchentliche Training hinausreichen. Ältere Jugendliche übernehmen mit der Zeit mehr Verantwortung, unterstützen die Jüngeren und geben ihre Erfahrungen weiter.
Für Uwe Finsterbusch ist genau dieser Zusammenhalt das Herzstück des Vereins. Kinder, Jugendliche, Eltern und erfahrene Übungsleiter verbringen viel Zeit miteinander und lernen voneinander. Viele der schönsten Erinnerungen entstünden deshalb nicht unbedingt auf der Regattabahn, sondern bei gemeinsamen Fahrten und Veranstaltungen.

So könnt ihr den Seesport ausprobieren
Kinder können beim Seesportclub Dresden ungefähr ab dem siebten Lebensjahr einsteigen. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Für einige Aktivitäten auf dem Wasser müssen die Kinder allerdings schwimmen können.
Wichtiger sind Freude an Bewegung, Interesse am Wasser und die Bereitschaft, Teil einer Mannschaft zu werden. Auch Erwachsene mit Interesse am Wassersport sind im Verein willkommen.
Im September bietet der Seesportclub an den Freitagen ein kostenloses Schnuppertraining an. Trainiert wird jeweils von 17 bis 19 Uhr. Da die passende Gruppe und der genaue Termin am besten vorher abgestimmt werden sollten, empfiehlt der Verein eine kurze Anmeldung.
Kontakt:
Seesportclub Dresden e.V.
Tolkewitzer Straße 65
01277 Dresden
E-Mail: 1.vorsitzender@seesport-dresden.de
Telefon: 0179 6657752
Weitere Informationen: www.seesport-dresden.de
Vicky würde anderen Kindern auf jeden Fall empfehlen, sich das Training einmal anzuschauen. Sie verspricht ihnen nicht nur abwechslungsreiche Übungen, sondern vor allem eine tolle Gemeinschaft. Und wer noch gar keine genaue Vorstellung davon hat, was Seesport eigentlich ist, findet das am besten direkt bei einem Probetraining heraus.

Welchen Verein sollen wir als Nächstes besuchen?
Mit dem Seesportclub Dresden startet unsere neue Reihe über Vereine aus Dresden und der Umgebung. Künftig möchten wir euch regelmäßig Menschen vorstellen, die gemeinsam trainieren, kreativ werden, Traditionen pflegen oder sich für andere einsetzen.
Ihr seid selbst in einem Verein aktiv oder kennt einen Verein, den unbedingt mehr Menschen kennenlernen sollten? Dann schreibt uns euren Vorschlag gern in die Kommentare. Vielleicht schauen wir schon bald bei euch vorbei!

